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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Handel und Kapitalismus

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gebnis eines dreimaligen Umsatzes seines Kapitals mitje 100 °/ 0 Gewinn nichts mehr übrig hat, typisch ge-wesen sei für 90 °/ 0 ihrer damaligen Kaufmannschaft!

Pisa wurde dann wiederum zunächst von Genua überwunden. Anfangs stand Genua unter byzan-tinischer Herrschaft. Dann ist auch es den Lango-barden erlegen. Darauf eine neue Entwicklung derStadtverfassung auf germanischer Grundlage. Alleinmit der Unterwerfung unter die Langobarden wurdees nicht etwa agrarisiert. Dem standen schon dieBodenverhältnisse entgegen. Genua konnte nicht lebenaußer vom Handel. Dazu kommt, daß es besondersgeeignet war als Handelsplatz zwischen dem Kontinentund Sardinien und Korsika. Im 10. J alirkundert teiltes sich bereits mit Venedig in den pontisch-grieckisckenZwischenhandel. Die Schiffe der Genuesen brachtenWolltücher, Bauholz, Waffen und Sklaven nach Syrien und Ägypten, um dagegen Spezerien und kostbareGewänder, namentlich die purpurgefärbten von Tyrus und die golddurchwirkten von Damaskus, einzutauschen 1 ).Im 11. Jahrhundert bringen die Genuesen schon dieProdukte der aufblühenden lombardischen Industrienach der Levante. Besonders interessant für unsereBetrachtung ist der kapitalistische Charakter und diekapitalistische Organisation der kriegerischen Unter-nehmungen der Genuesen schon im 11. Jahrhundert;am 1. Kreuzzug haben sie sich beteiligt, indem sieeine Aktiengesellschaft (Maona) ins Leben riefen,welche 12 Galeeren ausrüstete und demjenigen, dersich beteiligte, einen Anteil an der zu erwartendenBeute, je nach seiner Beteiligung, versprach. Wer sichnur als Krieger beteiligte, sollte weniger erhalten, als

') Hans P r u t z , Kulturgeschichte der Kreuzzüge. Berlin 1883. S. 355.