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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

von jedweder Art religiöser Denomination vor, daß sieihre Kinder zur Tüchtigkeit anzuspornen suchen, indemsie auf die ihnen aus der Tüchtigkeit erwachsendenEhren verweisen; der Spruch Salomos aber entsprach,statt spezifisch kapitalistischem Geiste, dem Hand-werkerstolz, wie ihn die Zünfte großgezogen hatten.Genau so verhält es sich mit den Ratschlägen für jungeGeschäftsleute, die Benjamin Franklin selbst nieder-geschrieben hat. Sie enthalten 1 ): 1. eine Warnungvor Zeitvergeudung; 2. einen Hinweis auf den Vorteil,den guter und ausgebreiteter Kredit bringe; 3. dieAufforderung, jeden Taler zu nützen; 4. eine Ermah-nung, sparsam in den Ausgaben zu sein, da eine kleinetägliche Ersparnis eine große Summe im Jahre aus-mache ; 5. die Aufforderung, den eigenen Zahlungs-verpflichtungen pünklich nachzukommen, weil dies denKredit mehre, und 6. alles, was dem Kredit schadenkönne, wie offensichtlichen Unfleiß und Billardspielenund Kneipen in den Stunden, welche der Arbeit ge-hören, zu meiden; 7. eine Warnung, die Mittel, überdie man nur durch empfangenen Kredit die Verfügunghabe, zu verausgaben, als ob sie die eigenen wären.Das sind die Lehren, die Ferdinand Kürnberger alsGlaubensbekenntnis des Yankeetums verhöhnt hat, undvon denen Max Weher schreibt 2 ).Daß es der ,Geistdes Kapitalismus' ist, der aus ihm in charakteristischerWeise redet, wird niemand bezweifeln! Ich frageumgekehrt: Wer bezweifelt, daß in jedwedem Landejedweder Geschäftsmann einem Handlungsbeflissenen,mit dem er es gut meinte, dieselben Ratschläge erteilt

*) Ich halte mich an die mir vorliegende deutsche Über-setzung von Benjamin Franklins Leben und Schriften vonDr. A. B i n z e r , Kiel 1829, IV, 8993.

a ) Archiv für Sozialwissenschaft usw. XX, 14.