Judentum und Kapitalismus
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Lissabon gebrachten indischen Waren — wenn auchvergeblich — zu sichern.
Indes noch kommt das Übergewicht der pyre-näischen Halbinsel im Welthandel nicht ganz zurGeltung. Die Portugiesen beschränken sich darauf,die indischen Waren nach Lissabon zu bringen. Vondort aus geht das, was die Portugiesen nicht brauchen,teils nach den Niederlanden , teils nach Venedig. Da-gegen erwächst Italien ein weiterer Schaden, daß Endedes 15. Jahrhunderts die Manufakturen der nordischenLänder aufzublühen beginnen, teilweise in Folge vonMaßnahmen der Italiener selbst. So war die Tuch-manufaktur von Florenz sehr berühmt, bis, nachdem1463 die Einfuhr wollener Tuche i n England verbotenworden war, Loren zo von Medici, um die Kosteneiner weiten Fracht der englischen Wolle zu sparen,sich entschloß, in England viele Fabriken mit floren-tinischen Arbeitern zu errichten 1 ). Als dann auch ausMexiko und Peru die Silberflotten nach Spanien fuhrenund stets wachsende Erträge abwarfen, da war derwirtschaftliche Schwerpunkt Europas zunächst nachder pyrenäischen Halbinsel verlegt.
Zu dieser Wendung im Gange des Welthandelskam, daß gleichzeitig ein politisches Mißgeschick nachdem anderen Italien heimsuchte. Im Jahre 1504 wirdItalien von den Franzosen erobert. Auf die Franzosenkommen die Spanier, die sie vertreiben, und Neapel wird spanisches Nebenreich. Italien wird der Schau-platz der Kriege zwischen Frankreich und Spanien unter dem Hause Habsburg. Dabei sinkt 1508 daspolitische Ansehen Venedigs durch die Liga vom Cam-brai, und im Jahre 1517 wird dann auch die Welt-stellung des Papstes durch die Reformation erschüttert,
0 Vgl. Rhymer foedera V p. 3, p. 62.
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