Ich sage: der beglaubigten Geschichte dieser Stadt Dennneben dieser giebt es noch eine andere, welche ihren Ur-sprung historischen Fälschungen verdankt, mit denen dieoffiziellen Geschichtsschreiber und Advokaten der städtischenBehörden die Vorzeit Messinas zu illustriren begonnen hat-ten, bis dass denn endlich Jedermann in Messina von derAechtheit dieser gefälschten Urkunden aufs Festeste über-zeugt war. Es würde an dieser Stelle zu weit abführen,wollten wir näher auf dieses Gewebe von Fälschungen ein-gehen, das die wirkliche Geschichte der Stadt bis zur ZeitKaiser Friedrichs II. mit einem beinahe undurchdring-lichen Schleier bedeckt hat und noch jetzt nicht nur mes-sinesischeu Historikern, sondern auch deutschen und fran-zösischen Forschern die Wahrheit verhüllt. Denn nichtnur alle Localhistoriker 1 ) von Bernhard Ricci (1526)
') Beruh. Ricci, De urhis Messane pervetusta origine. Mes-sane 1526 in 4to. Von dieser kleinen Schrift, in der zuerst die ge-fälschten Urkunden des römischen Senats gedruckt sind, giebt es,soviel ich weiss, nur noch ein Original - Exemplar und zwar auf derSenatsbibliothek zu Palermo. Der Inhalt des Büchleins ist sehrdürftig. Da Rizzo ein Schüler des bekannten Constantin Las-caris war und sich mit diesem häufig über die älteste GeschichteMessinas unterhielt, — Franciscus Janellus, gleichfalls einHumanist, schreibt an Johannes Philippus R o c c h u s beiReina, Delle notizie istoriche della cittä di Messina. Tom. II. fol. 48:Aderam ego saepe cum ea de re (de Mamertinae urbis origine) verbaipse faceret cum Constantino, quem dixi, sene venerando, qui et ipsevetustissimarum historiarum, studiosissimus et habitus est et fuit, —Lascaris aber unzweifelhaft in die Fälschungsgeschichte des Brie-fes der h. Jungfrau Maria an die Messinesen verwickelt ist, und alledie gefälschten Urkunden zuerst in dem Basilianerkloster San Salva-tore dei Greci, an dem Lascaris griechischen Unterricht ertheiltc,zum 'Vorschein kamen, so liegt die Yermuthung nahe, dass Rizzodie von ihm publicirten Urkunden von Lascaris bezogen hat. DerInhalt der Fälschungen ist ein derartiger, dass derselbe von denMessinesen 'einem mit der Vergangenheit ihrer Vaterstadt nicht vertrau-ten Manne angegeben und von diesem redigirt sein muss. Eine An-zahl Urkunden war von den angeblichen Ausstellern wirklich er-lassen, dann aber verloren gegangen. Nach dem Verluste stellteman dieselbrn wieder her, aber mit dem Inhalte, den die mittlerweiloangeschwollenen Prätensionen der Messinesen erforderten. Bei eini-gen Urkunden verwechselte man auch die Aussteller, indem man sievordatirte. Andere sind ganz erfunden. Vor mir liegt eine Inhalts-angabe einer auf officicllen Quellen beruhenden Sammlung MessineserUrkunden, die sich im Escurial findet. (Coleccion de Documentos deMessma. Sala de mss. A. 16. Est. 28 gr. 1.) Sie besteht aus nicht