vermeiden waren, doch so viel als möglich nur in ihrerMitte entschieden haben wollten, so erkennt man auchhierin das Bestreben, das durch die ganze Geschichte derStadt geht, sich soviel als nur möglich eine Ausnahms-Stellung auf der Insel zu verschaffen.') Auch einen be-sonderen Gerichtshof für Bagatellsachen gab es in Messina ,mit dem seit dem 14. Jahrhundert die reiche FamilieAlifia belehnt war. Derselbe entschied öffentlich (pala-dinamente) in allen Rechtsstreitigkeiten, deren Objekteunter fünf Unzen Werth hatten. Von ihm konnte nur andie Corte Suprema der Insel appellirt werden. Mir willes scheinen, als sei dieser Gerichtshof ein Ueberbleibseldes Gerichtshofs des normannischen bajulus. Das Gliedder Familie Alifia, welches dem Gerichtshöfe Vorstand,führt den Titel baglio nobile, der Gerichtshof selbst dendes Corte meridiana. * 2 ) —
Als Gerichtssitz diente das Stadthaus (palacium cornu-nis), welches zuerst 1282 erwähnt wird. 3 )
') Gallo II. 152. Ueber die Entstehung dieser Einrichtung,welche später auch Palermo und anderen grossen Städten der Inselverliehen wurde, vgl. oben S. 38, Anm. 1. Stat. Mess. §. 42. ImIG. u. 17. Jahrhundert war es einer der Hauptstreitpunkte zwischenPalermo und Messina, dass Messina durch Geldgeschenke am Hofees erlangt hatte, dass der Yicekönig mit dem ersten Gerichtshöfe derInsel von sechs zu sechs Monaten in Palermo und Messina residiren solle.
2 ) Testa, Capit. I. 310. weiss den Namen corte meridiana nichtzu erklären. Gallo II. 75. behauptet, weil dort von Mittag an Rechtgesprochen sei. Da sein Richter ein idiota war, so ist es auchmöglich, dass der Gerichtshof gebildet wurde, als an der corte stra-dicoziale wieder nur drei Richter fungirten und die zwei idiotae desPrivilegs Jacobs von ihm abgetreunt wurden. Wenn Gallo I. 60.behauptet, diesem Gerichtshöfe habe das jus represagliae zugestan-den, ehe cs an den Senat gekommen sei, und sich hierfür auf dasDiplom Heinrichs VI. von 1194 beruft, so ist dieses nur ein Be-weis mehr für die Unächtheit jenes Diploms Denn erst 1451 erhieltMessina das jus represagliae (Gallo II. 341), das die Stadt aller-dings wohl schon längere Zeit sich widerrechtlich angemasst hatte.
3 ) Bartliolmaeus de Neocastro, bei Di Gregorio,Bibliotheca etc. S. 45 Das alte Senatsgebäude stand dem Dom ge-genüber. Seine Fundamente kamen auf dem Domplatze bei demLegen von Gasröhren 18G5 zum Vorschein.