55
dürfte keines weiteren Beweises mehr bedürfen. Sie istgerade so verkehrt, als jene andere, dass die GallicanischeLiturgie, welche bis iu’s IG. Jahrhundert in Sicilien imGebrauch war, von den Anjous in Sicilien eingeführt wor-den sei. Die Quelle beider Irrthümer ist aber eine unddieselbe. Man hatte vergessen, dass die Normannen inallen geistigen Beziehungen schon längst von den Fran-zosen abhängig geworden waren, ehe sie sich in Unter-italien festsetzten, und dachte daher nicht daran, dassEtwas von den Normannen eingeführt sein könne, was mansonst nur bei den Franzosen finde.
Leider können wir aber den Beweis für das hoheAlter unserer Rechtsgewohnheit nicht so schlagend führen,als d i Giovanni, der den Gegnern seiner Behauptung alteMessbücher vorwies, welche die Gallicanische Liturgie ent-hielten und die nachweisbar schon iu Sicilien gewesen waren,ehe die Anjous dorthin kamen.') Und was uns die Sachenoch mehr erschwert, ist der Umstand, dass bei den Nor-mannen keine Gütergemeinschaft der Ehegatten üblich war. * 2 )
Und docli ist auch unsere Rechtsgewohnheit schon zurNormannenzeit in Sicilien eingeführt worden. Sie findetsich in den Statuten von Palermo, die zur Zeit WilhelmsII. enstanden sind, und wenn wir die Paragraphen der bei-den Stadtrechte mit einander und dem §. 3 der Statutenvon Catania vergleichen, so dürfte es kaum einem Zweifelunterliegen, welchen Wortlaut die älteste Form der con-suetudo hatte. 3 ) Sie lautete: Bona viri et uxoris undecum-
') Johannis de Johanne, T>e divinis Siculorum officiis. Pal. 173G.
2 ) Freundliche Mittheilung des Herrn Professor V. v. Meibomin Tübingen.
s ) Stat. Panormit. § 43. Bona viri et uxoris tarn quae tem-pore consumati matrimonii, quam et quae postmodum per cos ac-quisita sunt, nndeeumque pr.ov eni ent ia, elapso anno a tem-pore consumati matrimonii vel natis filiis, confundantur etunum corpus e f fi ci a n t ur, qnorum bonorum tertiapars d e h e t u r p a t ri, altera m a t r i, re1 i q u a v e r o tertiaf i 1 i o vel filiis, dum tarnen bonorum appellatione contineantur eatantunnnodo quae jure directi dominii vel quasi vel utilis domiuii etc.Man sieht die Hand des römisch-rechtlich gebildeten ltedaktors hierdeutlich genug. Stat. Cat. §.3. Viri et. uxoris bona a qua-cunquo parto perveniant, natis filiis confundnnturet unum corpus efficiuntur et volentibus viro et uxore divi-dere cum filiis (dummodo filii siut majores annis. decem et octo) vel