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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
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41
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I, Die russischen Finanzen vor dein Kriege, 41

Rückschlag erfahren hat und daß die russische Finanzpolitik allenGrund hat, nach der Periode der raschen Ausdehnung des Eisenbahn-baus eine Zeit der Sammlung und Konsolidierung eintreten zulassen, ist nicht zn bestreiten; denn diese neuen Strecken werden nochfür Jahre hinaus erheblicher Zuschüsse bedürfen. Aber wenn anchfür den raschen Ansban dieser zunächst nicht rentablen Strecke» inerster Linie militärische Gesichtspunkte ausschlaggebend gewesen seinmögen, so haben doch diese Bahnen anch für die wirtschaftliche Ent-wicklung der von ihnen berührten Gebiete eine ausserordentliche Be-deutung, Trotzdem sie jetzt noch Zuschüsse benötigen, stellen sie einwichtiges Aktivum des russischen Staates dar; deun das in ihneninvestierte Kapital wird sich aller Voraussicht nach in der Zukunftreichlich bezahlt machen.

Man hat mir weiter entgegengehalten, die geringfügige Stei-gerung des jährlichen Erforderuisses für den russischen Anleihedienstsei aufr ein f i n a n z t e ch n i s ch e Mo m e n t e", nämlich dieErsetzung cimortisabler Anleihen durch sogenaunte einige Renten,sowie auf die allgemeine Verbilligung des Ziusfufzes zurückzuführen,nicht aber auf eine Verbesserung der russischen Finanzverhältnisse,Der Tatbestand ist, daß von 1887 bis 1904 das Nominalkapital dergesamten russischen Staatsschuld sich vou 4973 auf MM MillionenRubel erhöht hat, während die Ausgaben für den jährlichen Dienstder Staatsschuld in derselben Zeit nnr von 26^1,5 ans 289,3 MillionenRubel gestiegeu sind. Dabei muß berücksichtigt »verde», daß Rußland inzwischen feine unverzinsliche Schuld an die russische Neichsbauk imBetrage von mehr als MV Millionen Rubel, für welche ungedeckteKreditbillete ausgegeben waren, durch verzinsliche Anleihen ersetzthat; die verzinsliche Staatsschuld Rußlands ist in der angeführtenZeit von -1369 auf 6636 Millionen Rubel gestiegen, also um etwa52 Prozent, während das jährliche Anleihcerfordernis gleichzeitig nurum etwa 9 Prozent zugenommen hat. Wie weit dieses auffallendgünstige Verhältnis durch dasrein sinanztechnische Moment" derErsetzung tilgbarer Anleihen dnrch einige Renten seine Erklärungfindet, habe ich im Oktoberheft derMariue-Rundschan" selbst be^rechnet und ausdrücklich hervorgehoben;") der jährliche Aufwand

") Vgl. oben S, 21.