Ruhe anhören. — Unser deutsches Volk, ein Volk von mehr als60 Millionen ist von dem elendesten Untergange bedroht, derbeispiellos ist in der Geschichte aller Zeiten. (Zuruf von den Unab-hängigen Sozialdemokraten: Durch Ihre Schuld! — Zurufe rechts:Geben Sie doch endlich Ruhe!)
Das deutscheVolk hat sich vor dem Kriege ausgezeichnetdurch eine wundervolle Kraft. Zn dieser wundervollen Kraft istdas deutsche Volk in den 43 Friedensjahren vorwärts gekommenin einem Maße wie kaum ein anderes Volk auf der ganzen Erde.Diese Kraft ist durch den Krieg und die Revolution auf dasschwerste beeinträchtigt. (Lachen und Zurufe bei den Sozialdemo-kraken und den Unabhängigen Sozialdemokraten .)
Diese Kraft wird durch einen Frieden der Vergewaltigungund der Verstümmelung unter einen Druck gestellt, wie er niemals -einem großen Volke auferlegt worden ist, unter einen Druck, dertödlich wirken muß, wenn es nicht gelingt, ihn durch die äußersteAnspannung aller guten Kräfte, über die das deutsche Volk nochverfügt, zu brechen und zu überwinden. (Lebhafte Zustimmungbei den Deutschnationalen.)
Was wir heute erleben, sind die Leiden und die Zuckungeneines Volkes, dem ein unerhört schweres Schicksal einen Teilseiner Daseinsbedingungen genommen hat. (Wiederholte Zurufevon den Unabhängigen Sozialdemokraten und den Sozialdemo-kraten: Durch Zhre Schuld!)
Seien Sie doch endlich ruhig mit diesen sinnlosen Zwischen-rufen. Ich weiß ja längst, daß Sie glauben, ich habe die Schuld.(Erneute stürmische Zurufe von den Unabhängigen Sozialdemo-kraten und den Sozialdemokraken. — Abgeordneter Seeger: Einenso belasteten Menschen dürfte man hier nicht auftreten lassen!Wenn Sie Anstand hätten, ließen Sie einen solchen Mann nichtauftreten! — Stürmische Gegenrufe von den Deutschnationalen:Gehen Sie doch raus! Schande! — Große Unruhe. — Glocke desPräsidenten.)
Präsident: Meine Damen und Herren! Es war zu er-warten, daß der Wahlkampf hier einen lebhaften Widerhall findenwürde. Aber die Zwischenrufe dürfen nicht so weit gehen, daß derRedner an der Ausübung seines Rechtes gehindert wird. (Stür-
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