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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
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und die eidlichen Aussagen, dir mir bekannt geworden sind, keiner-lei Anhalt dafür geben, von einer Pflichtverletzung der Marburger Studenten, geschweige denn von einerSchmach von Marburg"zu sprechen. (Lebhafte Zurufe von den Sozialdemokraten undUnabhängigen Sozialdemokraten.)

Wohin kommen wir, wenn sich Leute, die sich auf den Ruf derRegierung so war es doch zur Verfügung gestellt haben,(Abgeordneter vr. Haas sBaden): Warum keine Untersuchungs-haft? Rufe rechts: Ruhe!)

Das können Sie mit der Regierung ausmachen, HerrDr. Haas; ich spreche jetzt nicht von dem, was die Regierung getanhat, sondern von den jungen Leuten, die sich auf den Ruf der Re-gierung (lebhafte Zurufe von den Anabhängigen Sozialdemokraten:Mörder!) unter Einsetzung ihres Lebens zur Verfügung gestellthaben. (Erregte Zurufe von den Anabhängigen Sozialdemokratenund Sozialdemokraten.)

Meine Damen und Herren! Zch komme nunmehr zu dem

finanziellen und wirtschaftlichen Teil

meiner Ausführungen, und zwar beginne ich mit dem, was gesternin so ausführlicher Weise von dem Herrn Reichsfinanzminister,den ich leider nicht hier sehe, behandelt worden ist. (Zuruf vomMinistertisch: Da ist er! Große Heiterkeit.)

Es freut mich sehr) er ist nur etwas zu weit weg. (Reichs-finanzminister vr. Wirth: Zch möchte Distanz wahren!)

Vielleicht beruht das auf Gegenseitigkeit. (Heiterkeit undSehr richtig! rechts.)

Der Herr Reichsfinanzminister hat gestern erklärt, es sei ge-fährlich den Leu zu wecken. (Zuruf von den Deutschen Demo-kraten: Sie sind kein Leu!)

Zch habe mich auch nie dafür gehalten. (Heiterkeit.)

Der Herr Reichsfinanzminister hat trotzdem mit einigen Wen-dungen begonnen er kommt ja doch jetzt näher, (grotze Heiter-keit) die ich als eine Polemik gegen mich und meine Finanz-politik doch wohl mit Recht angesehen habe. Zch brauchte dazunicht erst dasBerliner Tageblatt" von heute morgen zu lesen,soviel verstehe ich ja selbst. Ich sehe einen Angriff gegen meinefrühere Politik vor allen Dingen in den Eingangsausführungen,

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