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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
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in denen er feststellte, daß schon im Finanzjahre 1916 das istnicht etwa das Jahr, in dem ich in das Schatzamt eingetreten bin,sondern das Jahr, in dessen ersten Hälfte ich es verlassen habe,(hört! hört! rechts) wir uns steuerpolitisch auf der schiefen Ebenebefunden hätten. (Zuruf des Abgeordneten Keil.)

Nur Geduld, Herr Abgeordneter Keil ich komme gleich darauf,ich habe auch Geduld. (Sehr gut! rechts.)

Ich sehe den Vorwurf hier wieder aufgenommen, der in derÖffentlichkeit so oft gegen mich erhoben worden ist und der michauf das allerungerechtefke trifft, (Lachen links) den Vorwurf,daß es an mir liege, wenn keine Kriegs steuern gemachtworden seien. (Sehr wahr! bei den Deutschen Demokraten.)

Meine Damen und Herren! Ich appelliere an diejenigen,die hier in diesem hohen Hause an den Steuern mitgearbeitethaben. (Zuruf des Abgeordneten Keil.)

Herr Keil, Sie gehören nicht dazu. Die Sozialdemokrakenhaben sich damals von den interfraktionellen Besprechungen aus-geschlossen, weil sie prinzipielle Gegner jeder indirekten Steuernseien. (Hört! Hört! rechts. Zurufe von den Sozialdemokraken.)

Ich berufe mich auf die Vertreter der anderen Parteien. Wirhaben hier tagelang zusammengesessen. Wir haben Sie aufge-fordert, und Sie haben erklärt, daß Sie prinzipiell indirekteSteuern nicht mitmachen würden. (Zuruf des Abgeordneten Keil.)

Die Sachlage war die: Ich habe das Reichsschatzamt nicht zuBeginn des Krieges übernommen, sondern ein halbes Zahr später,im Februar 1915. Ich fand einen fertigen Etat zur Einbringungvor; Steuern waren nicht vorgesehen. Ich habe noch im Märzdie Finanzminister der Einzelstaaten besucht und berufe mich ins-besondere auf den württembergischen Finanzminister Pistorius, derdarüber das Nötige vor einiger Zeit veröffentlicht hat, daß ichschon bei diesen ersten Verhandlungen darauf aufmerksam gemachthabe: wenn der Krieg länger dauert als bis zum Herbst, kommenwir um eine Kriegssteuergesetzgebung nicht herum. (Hört! Hört!rechts.)

Ich habe, sobald es möglich war, die Finanzminister derBundesstaaten hierher eingeladen, und der Herr Reichsfinanz-minister kann sich in den Akten seines Ministeriums darüber ver-gewissern, daß in dieser Besprechung, die Anfang Zuli stattfand,

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