Recht der Feinde gemacht. Das muß vermieden werden, das darfnicht zum zweiten Male vorkommen.
Nun kommt noch ein Drittes. Ich möchte den dringendenWunsch aussprechen, allen Versuchen unserer Feinde, über denRahmen des Vertrages von Versailles hinaus die deutschenHoheitsrechte einzuschränken, Kontrollen aller Art, Finanz-Kontrollen, Wirtschaftskontrollen, einzuführen, sich irgendwelcheneuen „Pfänder" und ..Sicherheiten,, aushändigen zu lassen,die im Versailler Vertrage nicht vorgesehen sind, — sich allensolchen weiteren Einschränkungen unserer Hoheitsrechte mit Ent-schiedenheit zu widersetzen. Denn auch das ist eine Schraube ohneEnde. Wenn hier über das ohnehin so weit bemessene Maß desVersailler Vertrages hinausgegangen wird, gibt es keine Grenzeund kein Halten mehr.
Nun komme ich auf die Frage der Verhandlungs-methoden. Ich habe vorhin schon das Wort „Würde " ausge-sprochen. Es wird erlaubt sein für einen Deutschen, von Würdezu sprechen, wenn ein Engländer und ein so kompetenter Mannwie Herr Keynes, ein Mann, der die Verhandlungen mitgemachthat, sich öffentlich darüber geäußert hat, wie Elemenceau über dieDeutschen denkt, — ich will es lieber nicht zitieren — (Zuruf vonden Sozialdemokraten: Ueber Sie!) — über die Leute, mit denener zu verhandeln gehabt hak, und dazu gehöre ich nicht, — — (Abg.Ledebour: Wenn er Sie erst kennengelernt hätte! — Heiterkeit.)
Und weiter lesen Sie nach, was Herr Keynes sagt über dieAntwort, die wir am 29. Mai vorigen Jahres auf die Friedens-bedingungen der Entente gegeben haben! Er lobt sie und sagt,daß der Inhalt sachlich ausgezeichnet war. Aber er fügt hinzu,es habe einigermaßen der große Zug gefehlt, die hohe Würde unddie tiefe Leidenschaft, die der Sachlage angemessen gewesen wären.(Hört! Hört! rechts.)
Ich glaube, ein solches Urteil eines Engländers wird man hierzitieren dürfen, und ich glaube, man wird noch ein anderes Urteilzitieren dürfen. Herr Keynes stellt fest, daß die Entente uns gegen-über durch die Abmachungen, die dem Waffenstillstand inunserm Notenwechsel mit dem PräsidentenWilson vorhergingen, gebunden war, daß es sich hier um eineder heiligsten Abmachungen in der ganzen Weltgeschichte handelte,
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