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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
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gestern diese historische Feststellung aus Bekundungen unsererFeinde mache.

Wenn ich dies tue, wenn ich mich enthalte, in diesem Augen-blick weiter irgendwie in die Verhandlungssreiheit unserer Re-gierung für Spaa einzugreifen im Gegensatz zu dem Herrn Ad-geordneten Henke, wie ich hier unterstreichen möchte, so stehtdas im Einklang mit der Gesamthaltung meiner Par-tei zu der Regierung. Meine Partei hat die schwerenMühen der Regierungsbildung das werden Sie alle bestätigenmüssen in keiner Weise gestört. Wir werden auch der Regie-rung, wie sie jetzt zustande gekommen ist, das Leben und das Ar-beiten nicht unmöglich machen. (Große Unruhe links. Zuruf:Das zeigt Ihre heutige Rede!)

Eine Verantwortung für die Zusammensetzung und für dieTaten dieser Regierung können wir natürlich nicht übernehmen.(Zuruf von den Deutschen Demokraten.)

Es wird nicht von uns verlangt, aber lassen Sie es mich hierzur genauen Abgrenzung unseres Standpunktes konstatieren. Wirerkennen an, daß die neue Regierung, wenn sie auch von unserenWünschen noch erheblich entfernt ist, immerhin gegenüber deralten Koalitionsregierung einige wesentliche Verbesserungen aus-weist. (Zuruf links: Welche denn?)

Zum Beispiel die allerdings noch viel zu geringe Zahl derFachminister, die in die Regierung hineingekommen sind. Wirsind aber nicht an dieser Regierung beteiligt. Wir haben auf ihrVerhalten von innen heraus keinen Einfluß. Ihren Erklärungenkönnen wir, namentlich soweit sie sich auf den Wiederaufbau be-ziehen, größtenteils zustimmen, namentlich nach den Reden, die wirvorgestern aus dem Munde der Vertreter der beiden größerenunter den Regierungsparteien gehört haben. Aber, meine Damenund Herren, Worte sind Worte? auf die Tatenkommt es an. (Sehr richtig! bei den Deutschnationalen.)

Auf bloße Worte hin können und wollen wir nach den Er-fahrungen der Vergangenheit kein Vertrauen aussprechen. Wirkönnen an diese Worte nur die Erwartung knüpfen, daß die neueRegierung den rechten Kurs einhalten, (Lachen bei den Sozialde-mokraten und Unabhängigen Sozialdemokraten) daß sie Recht undOrdnung, Leben und Eigentum schützen wird, daß sie die dringenden

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