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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
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hängigen Sozialdemokraten: Wie wollten Sie es denn zurück-weisen? Wollten Sie einen neuen Krieg?)

Zch glaube, es wäre nicht zu einem neuen Kriege gekommen.Aber das, was ich unter keinen Umständen wollte, was auch an-dere nicht wollten, ist die allmähliche Verelendung des deutschenVolkes durch den Vertrag von Versailles und durch das, was jetztvielleicht noch Schlimmeres darauf folgt. (Zurufe links.)

Erstens habe ich Zhnen (nach links) keine Rechenschaft zugeben, und zweitens erkläre ich nicht Ihnen, sondern demHause, daß ich der Ansicht bin, gestützt auf die Bekundungenvon Keynes und Tardieu, daß, wenn die deutsche Regierung da-mals die notwendige Festigkeit gezeigt hätte, wenn das deutscheVolk sich geschlossen hinter die deutsche Regierung gestellt hätte,wir einen besseren Frieden bekommen hätten als den Frieden vonVersailles . (Lebhafter Wideripruch links. Gegenrufe undlebhafte Bravorufe rechts. Abgeordneter Ledebour : Wir warendoch wehrlos! Große Unruhe. Glocke des Präsidenten.)

Vizepräsident Dietrich (Prenzlau ): Herr AbgeordneterLedebour, Sie haben nicht das Wort!

vi-. Helfferich: Meine Damen und Herren! Ich sage dasalles nicht, um Streitigkeiten aufzuwühlen. (Große Heiterkeitlinks.)

Das liegt mir ganz fern. Aber das deutsche Volk hat einenAnspruch, in diesen Dingen klar zu sehen und daraus zu lernenfür die Zukunft, schon für die allernächste Zukunft. Auch die

Regierung (Erneute stürmische Unterbrechungen. Glocke

des Präsidenten.)

Vizepräsident Dietrich (Prenzlau ): Ich richte noch einmalan das Haus die Bitte, die Würde des Hauses zu wahren, diesenSzenen ein Ende zu machen und den Herrn Redner ohne unnötigeUeberanstrengung zu Ende kommen zu lassen.

vi-. Helsferich: Ich komme bald zum Schluß. MeineDamen und Herren! Zch mache diese historische Feststellung undüberlasse es der neuen Regierung, welche Konsequenzen sie ziehenwill. Zch glaubte aber, daß es zeitgemäß wäre, an diese Vor-gänge zu erinnern. (Sehr richtig! bei den Deutschnationalen.)

Weiter gehe ich nicht, als daß ich in Anknüpfung an dieAusführungen des Herrn Abgeordneten Müller (Franken) von

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