Da haben Sie das genaue Datum, am 13. Juni, nach fünf-monatigen Verhandlungen zwischen den Alliierten, neun Tage vorunserem Entschluß zur bedingungslosen Unterzeichnung! — Undwarum, meine Damen und Herren?
Wir haben alle erlebt, was damals in Deutschland vor-ging. Kann man verlangen, daß die Alliierten Frankreichs , unsereGegner im blutigsten Kriege der Weltgeschichte, die deutschen In-teressen besser vertreten, als es von deutscher Seite geschehen ist?(Sehr richtig! bei den Deutschnationalen.)
Wenn aus Deutschland immer wieder nach Frankreich hinüberklang: Deutschland wird sich nicht ernstlich zur Wehr setzen;wenn das versucht werden sollte, wird man dafür sorgen, daß dieRegierung verschwindet und daß eine andere kommt, die dann denFriedensvertrag unbedingt unterzeichnet, — kann man sich dawundern, wenn in jener letzten Stunde, in jener 11. Stunde, wieKeynes schreibt, die Alliierten Frankreichs ihren Widerstand auf-gegeben haben? Zch berufe mich nicht gern auf das „BerlinerTageblatt" und nicht gern auf Herrn Theodor Wolff . Aber HerrTheodor Wolff, der auch die französischen und die internationalenVerhältnisse einigermaßen kennt, der ein Pazifist ist, dem gewißniemand zuschreiben wird, daß er in Hurra-Patriotismus und..Kraftmeierei" macht, hat vor einigen Tagen über jene Zeit ge-schrieben — es handelt sich um die verhängnisvollen Tage imZum —:
Schwankende journalistische Gestalten, kokett auf der Suchenach einer „selbständigen Meinung", gehorchten gläubig diesenWinken. Aus den Kreisen der Unabhängigen kam eine großeGefolgschaft, Erzberger und seine Leute gaben zu verstehen,daß unterzeichnet werden würde und daß am Endresultat garnicht zu zweifeln sei. (Hört! Hört! rechts.)
Sie alle zusammen zerbrachen die Einigkeit, die es uns möglichgemacht hätte, ganz andere, bessere Friedensbedingungen (hört!hört! rechts.)
zu erlangen, und die tausend Delegierten und Agenten konntennach Paris berichten, die Gefahr, daß Deutschland Unmäßigeszurückweisen würde, bestehe nicht mehr.
(Lebhaste Rufe rechts: Hört! Hört! — Zurufe von den Unab-
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