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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
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unterbreitet wird. Ich glaube (nach links) diesem Wunsche könnenSie sich anschließen. (Lebhafte Zustimmung rechts.)

In diesen Dingen müssen wir alle klar sehen. Aber, meineDamen und Herren, wir werden auch unsererseits dafür sorgen,daß den Stellen, die in Betracht kommen, das Material vorgelegtwird, das besteht über die Bewaffnung auf der anderen Seite,über die Bildung der Roten Armee. (Zuruf bei der A.S.P.)

Die Spitzel überlassen wir Ihnen.

Meine Damen und Herren! Ich wende mich vor allem an dieRegierung. Die Situation ist ganz außerordentlich ernst. (Sehrrichtig! rechts.)

Ich warne davor, das, was ich hier sage, zu unterschätzen.Wir stehen vor der Gefahr eines neuen Aufruhrversuchs, wirstehen vor der Gesahr, daß revolutionäre Elemente in Deutschland den letzten Augenblick dazu benutzen wollen, um sich doch noch die

Herrschaft zu verschaffen. Wir wissen, daß nach wie vor

(Zuruf bei der A.S.P.: Kapp-Putsch Nr. 2!)

Einen Kapp-Putsch Nr. 2 brauchen Sie nicht zu fürchten!

Wir wissen, daß noch immerfort die Fäden nach Rußland hinüberlaufen. (Sehr richtig! rechts.)

Wenn jemand glaubt, daß es sich da umHandelsbeziehungen"handle, dann ist das eine leere Täuschung. Handelsbeziehungenmit Sowjetrußland gibt es nicht; denn Sowjetrußland hat nichtszu handeln. Das ist nicht erst heute so. Das war schon vor zweiIahren so. Davon habe ich mich im Sommer 1918 inMoskauin den allerersten Tagen überzeugen können. (Zuruf links: Siesind ja ausgerissen!)

Ich verbitte mir derartige Bemerkungen. (Lachen links. Er-neute Zurufe.)

Ich habe zunächst gegen den Austrag, den ich von Berlin hatte, im Falle der persönlichen Gefahr die Botschaft zu ver-legen, Einspruch erhoben. Ich habe zwei- oder dreimal an dasAuswärtige Amt telegraphiert, daß ich allein aus Gründen per-sönlicher Sicherheit die Botschaft nicht verlegen würde. Ich binaus Moskau abgereist auf die Weisung des Staatssekretärsv. Hintze, sofort nach Berlin zur persönlichen Berichterstattung zukommen. Erst nachdem ich diesen mir sehr unangenehmen Befehlerhalten hatte, nachdem also meine persönliche Sicherheit ganz

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