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d. h. mit andern Worten, es wird zu theuer geworden sein, umals Munzmetall dienen zu können, meint Süß, zu wenig undzu theuer ist hier doch offenbar gleichbedeutend, wir werden sofortsehen, daß Süß selbst die Sache so ansieht. Also kurz zu sagen,es droht dem Golde die Gefahr, die Treppe hinauf zu fallen!Und die Besitzer des Goldes werden dann dies gar nicht bittere Geschickzu theilen haben. Ehe aber der Zeitpunkt gekommen wäre, wodas Gold so selten geworden im Verhältniß zum Bedarf, daß esaufhörte Münzmetall zu sein, wo es vielmehr nur noch demLurus dienen könnte, würde nothwendig ein Zustand eintreten,in dem es, am Silber gemessen, einen viel höheren Preis alsfrüher erzielen müßte. Die Nationen, welche Gold besäßen,würden damit ein sehr gutes Geschäft machen. Sollte dieser Ge-danke etwas Abschreckendes für sie haben? Wahrscheinlich giebtes in den mit Goldwährung gesegneten Ländern Finanzminister,die bedauern, daß die salomonische Lebensfrist ihnen keine Wahr-scheinlichkeit läßt bei Eintritt dieses schönen Augenblicks noch aufihrem Posten zu sein".
So schrieb Bamberger und der Mann, der das schrieb, warentweder ein nationalökonomischer Ignorant, der von derwissenschaftlichen Geldlehre so wenig wußte, daß er die volks-wirthschaftlichen Nachtheile einer Geldvertheuerung nicht kannte,oder er war ein so krasser Vertreter eines einseitigen Gläubiger- undKapitalistenstandpunktes, daß er die Goldvertheuerung trotzdem fürvorthcilhaft ansah. Ich überlaste es Herrn Dr. Bamberger, ob ersich diesem Entweder—oder fügen oder etwa den allein nochdenkbaren dritten Fall annehmen will, daß er entgegen besseremWissen, nur um die öffentliche Meinung für seine Zwecke zubearbeiten, jene „geistreichen" — aber absolut unrichtigen Sätzeniederschrieb, die damals jedenfalls bei unserer liberalen Presteund bei den „Gebildeten" denselben überzeugenden Eindruckmachten, wie heut die ganz gleichwerthigen, nur durch ihreGehässigkeit und Anmaßung noch viel tiefer stehenden Aus-führungen in der „Nation".
Im Gegensatz zu Bamberger hat Soetbeer am Endeseines Lebens mit tiefem Schmerz die Gefahr erkannt, dieseiner Lebensarbeit drohte. Mehr und mehr mußte er dieUnmöglichkeit einsehen, für eine allgemeine Goldwährung dasGold aufzutreiben und mehr und mehr mußte er die Schäden derSilberentwerthung anerkennen. Als ehrlicher Mann hat er immerdeutlicher diesen Anschauungen Ausdruck gegeben, und heut be-