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Kastenherrschaft in Deutschland , wie man sie vor zwei Jahrzehntenfür undenkbar angesehen, ist keines so augenfällig als der, wennauch nur scheinbare, erste Erfolg, welchen mit dem Zugeständnißdes Reichskanzlers in Sachen der Währungspolitik die agrarischenBemühungen haben. Noch ist nicht daran zu denken, daß auchnach diesem Zugeständniß es gelingen könnte, ernstlich Hand andas bewährte Fundament unseres Geldwesens zu legen; aber auchdie kleine Konzession, welche dessen Geguer jetzt erlangt haben,und welche sie selbst dem Fürsten Bismarck unter Umstünden, diedazu viel eher verführen konnten, nie zu entreißen vermochten, istdas beschämendste Zeugniß für die Unterwerfung, welche die an-erkannten Interessen der allgemeinen deutschen Wohlfahrt sichjetzt unter die Herrschaft zwar nicht gesetzlich, aber thatsächlichbevorrechteter Klassen gefallen lassen."
Kann sich Herr Dr. Bamberger wundern, wenn solcheVerhetzungen von den Angegriffenen in gleicher Art parirtwerden und von ihnen auf diesen groben Klotz der grobe Keildes Antisemitismus ihm gegenüber gesetzt wird?
Bamberger schließt damit, daß in den „WissenschaftlichenGutachten" die Wiederherstellung des alten Werthverhältnisses1: 15,5 nicht mehr gefordert sei.
„Solche Hexenmeisterei schlägt der gesunden Vernunft zu sehrins Gesicht, um auch von dem kühnsten Dialektiker vertheidigtwerden zu können."
Die Frage des Werthverhältnisses ist keine Prinzipien-sondern eine bloße Zweckmäßigkeitsfrage und wird von fastallen Bimetallisten nur als solche betrachtet. Am zweckmäßigstenerscheint mir und Vielen nach wie vor das alte Werthverhältnißvon 1: 15,5, das ich für leichter durchführbar halte als jedesandere Werthverhältmß. Wenn Viele anderer Meinung sind,so liegt das daran, daß sie den Widerstand der Goldwährungs-partei für zu stark und das angerichtete Unheil schon für zugroß halten, um die beste Lösung, die Wiederherstellung desalten Silberivcrthes durchzusetzen. Auf diesem Standpunktsteht vielleicht auch der von Bamberger nochmals citirte HolländerPlerson, ich glaube indessen guten Grund zu der Annahme zuhaben, daß dessen Absichten noch einmal in einer Herrn Bam-bergcr sehr unangenehmen Weise zu Tage treten werden.
Herr Bamberger scheint seine Ausführungen noch rechtlange fortsetzen zu wollen, denn sein Aufsatz trägt die Unter-