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Die Silberenquete : Eine Auseinandersetzung mit Ludwig Bamberger / Von Otto Arendt
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Rentnern, Beamten und Arbeitern vorreden, daß die Geld-entwertung" sie schädige, gegen die internationale Doppel-währung haben in Deutschland mit Ausnahme einiger Doktri-näre vernünftige Menschen überhaupt nichts einzuwenden; ebendeshalb muß die Goldwährungspartei an der bewußtenTäuschung festhalten, daß die Bimetallisten ein einseitigesVorgehn Deutschlands im Auge hätten. Die Silbercuquetewird jedenfalls das Gute haben, daß sie hierüber dem Publikumdie vollste Klarheit bringen wird nnd schon das wird wesentlichzur Verständigung beitragen.

Ich möchte hier übrigens anfügen, daß das Verlangenvon Hppothekengläubigern, sich Rück- und Zinszahlung in Goldauszubedingen, eine Folge dieser thörichten Angstmacherei durchdie Goldwährungspartei ist. Ich kann jedem Schuldner nurrathen, seinem Gläubiger diesen harmlosen Gefallen bereitwilligstzu erweisen. Wo eine solche Abmachung besteht, genügt bereitsdas jetzige Münzgesetz, um dem vorsichtigen Gläubiger stattjeder Goldzahlung Silbcrthaler bis zu jeder Höhe in Zahlungzu geben. So ivenig wie heut irgend ein Schuldner Vortheildavon hat, das zu thun, so wenig wird das künftig, wo dasGesetz selbstverständlich eine gleichartige Bestimmung enthaltenwird, der Fall sein.

Es ist nicht meine Absicht, in die Polemik zwischen Bam-bcrger einerseits und den Verfassern derWissenschaftlichen Gut-achten" andrerseits einzugreifen, in die Bamberger dochschließlich noch eingetreten ist. Männer wie Lcxis, Conrad,Schäffle, Scharling, Kleinwächter, Hermann Schmidt, werdenmit Bamberger schon fertig werden. Selbstverständlich habenAlle Unrecht, nur Bamberger hat die richtige Auffassung, nurer hat Alles klar und deutlich vorausgesehen.

Mir scheint es wichtiger, einige der Hauptpunkte derWährungsfrage hier noch klar zu stellen. Entscheidend ist nachmeiner Ueberzeugung die Frage der Edelmetall-Produktion,und hierüber seien einige Bemerkungen angeschlossen. DerGoldumlauf der Welt ist nach den höchsten Schätzungen sogroß, wie die Goldproduktion der letzten 25 Jahre. Das be-deutet, der außermonetäre Goldbedarf ist so groß, daß er dasseit Jahrtausenden aufgespeicherte Gold aufgezehrt hat.

In Deutschland waren in den letzten hundert Jahren vorder Münzreform 532 Millionen Mark Goldmünzen geprägt