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Die Silberenquete : Eine Auseinandersetzung mit Ludwig Bamberger / Von Otto Arendt
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von den kapitalkräftigsten Staaten aufrechterhalten werdenkann, all das sind Thatsachen , die den Goldmangel offenkundigmachen, man mag dagegen sagen, was man will. Die Ge-schäftswelt, welche hohe Diskante zahlen muß, um das Gold imLande festzuhalten, ist nicht zweifelhaft darüber, daß Gold knapp ist.

Das sich vertheucrnde Gold, eine Elle, die in sich längerwird, kann unmöglich Werthmeffer bleiben. Das schädigtalle produzirenden Klaffen und führt zur sozialen Revolution.

Aber, so wird uns versichert, Silber wird in solchenMassen produzirt, daß es nicht mehr Währungsmetall bleibenkann. Wäre das wahr, so bliebe trotzdem die Goldwährungunmöglich, da Geldvertheucrung auf die Dauer unerträglich ist.Wir befänden uns dann vor zwei Unmöglichkeiten und müßteneinen noch unbekannten Ausweg suchen.

Zum Glück aber beruhen die Angaben über die Silberpro-duktiou auf den maßlosesten und tendenziösesten Uebertreibungen.

Es wird mehr Gold als Silber produzirt!

Die Goldproduktion des Jahres 1892 wird auf etwa540 Millionen Mark geschätzt, die Silberproduktion betrughöchstens 440 Millionen Mark.*)

Diese Thatsache hat die Goldwährungspartei geschickt zuverdecken verstanden, indem sie den Werth der Silberproduktionentweder zum alten Wcrthverhöltniß von 1: 15,5 angiebt, dasdoch gerade nach ihrer Meinung niemals wiederkehren kann,oder nach Kilogramm. Da klingt es ja nun ganz gewaltig,Produktion an Gold 200 000 Kilogramm, an Silber 4 800 000Kilogramm, wie soll da nicht Silber sich entwcrthm?

UeberdieS begeht man den Kunstgriff, die Produktions-ziffcrn seit 1860 zusammenzustellen und dann zu schließen,die Goldproduktion blieb konstant, die Silbcrproduktion hatsich verachtfacht, es ist selbstverständlich, daß das Silber sichentwerthct. Der Kunstgriff liegt darin, daß seit 1848 dieenorme Zunahme der Goldproduktion begann. Vor 1848aber bestand das Werthverhältniß von 1: 15,5 und bis dahin

*) Während deS Druckes geht mir eine Darlegung eines der hervor-ragendsten Kenner der Edelmctallproduktion Alexander Del Mar zu, derdie meist angenommenen Schätzungen des amerikanischen Münzdirektorsscharf kritisirt und folgende Ziffern giebt:

1692 Gold 480 Mill. Mk-, Silber 356 Will. Mk.,

1893 525 327

danach würden alle hier gemachten Angaben noch viel günstiger für dasSilber liegen.