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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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zu gewinnen, lasen sie eifrig die Schriften der damals herr-schenden Hegelschen Schule und disputirten auf ihren Stubenund Spaziergängen über deren kaum verstandene AYeisheit;zu ihrem persönlichen Führer erkoren sie sich aber merk-würdiger Weise hierbei M. Carriere. Bamberger brachte demliberalen und patriotisch gesinnten Privatdocenten, den Heidel-berg von sich gestossen hatte, die Collegien mit zu Standeund blieb mit ilun auch bei allen späterhin sich noch steigern-den Differenzen in den Lebensanschauungen freundschaftlichverbunden. Die Hauptsache war, dass ein heiliger Eifer nachErkenntniss und ein heftiges Suchen nach Wahrheit die Ge-mütlier dieser jungen Giessener Studenten erfüllte. Die jungenLeute, und unter ihnen auch Bamberger, wurden damals aller-dings auchzu früh fertig (Er. S. 12), aber das in einemganz anderen Sinne als heutigen Tages. Wenn man liest,was der körperlich keineswegs starke, von Bluthusten undSchleimfieber heimgesuchte Studiosus Bamberger neben denjuristischen Vorlesungen an philosophischer und belletristischerLektüre verschlungen hat, dann staunt man doch über diesenFleiss und diese Beceptivität. Auch in Heidelberg , wohin erim Herbste 1843 übergesiedelt war, setzte er diese Studienfleissig fort. In Giessen lag damals das politische Lebenganz darnieder und die Studien waren nur abstrakteren Gegen-ständen zugewendet gewesen, in Heidelberg nahmen sie schoneine mehr praktische Wendung. So wurde hier die National-ökonomie nicht vernachlässigt, daneben aber auch durch denEintritt in eine freie burschenschaftliche Verbindung, die sog.Walhalla , der Bethätigung der politischen üeberzeugungeneiniger Raum geschaffen und persönliche Verbindungen fürdas ganze Leben angeknüpft. Dass das Gewicht positivenjuristischen Wissens am Schlüsse des fünften Semesters nichtallzu schwer sei, wusste Bamberger sehr wohl. Das Ge-schlecht vonEinpaukern gab es damals noch nicht. Erbeschloss desshalb sich an eine Universität zurückzuziehen,die im Rufe stand, dass man auf ihrochsen könne. Mitzwei Bekannten ging er daher im Herbste 1844 nach derMusenstadt an der Leine und bezog mit ihnen ein gemein-