Druckschrift 
Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
 

62

bergers und wird sicher einmal als eines der wichtigstenhistorischen Documente aus der Zeit der rückliiutigen Bis-marekschen Aera angesehen werden. Denn sie legt in ruhiger,durchsichtiger Sprache nicht nur die Gedanken der nächstenpolitischen Freunde des Autors dar, sondern bringt, mit all-gemeinen politischen Betrachtungen und Reflexionen durch-setzt, die Ideen Vieler zum treffendsten Ausdruck, die, wennauch keineswegs zu den nationalen Zielen der Politik desReichskanzlers im Gegensatz stehend, nicht glaubten, die neu-eingeschlagene Richtung der inneren Politik und noch wenigerdie Methode in der Durchführung derselben billigen und unter-stützen zu können. Xur in Einem Punkte waren schon da-mals die Meinungen derer, welche Bamberger im Allgemeinenzustimmten, im Lande gctheilt. So sehr man auch den Wunschhegte, dass einegrosse liberale Parteivon der schonRickert im Sommer 1880 geredet hatte, entstehen möge (Ges.Sehr. V, 57 ): die Bildung derselben etwa durch eine Ver-schmelzung mit der alten Fortschrittspartei, welche dannwirklich auch vorübergehend zu Stande kam, erschien da-mals schon manchem als ein ebenso starker Rückfall in glück-lich überwundene Zustände, als die Aussöhnung des Reichs-kanzlers mit Herrn von Kleist-Retzow und dessen Freunden.So sehr nun auch Bismarck mit dem Ausscheiden seinerprincipiellen Gegner aus der nationalliberalen Partei einver-standen schien, um den Rest desto gefügiger zu haben, soergrimmt war er doch über die sog. Seeessionisten. Manmag darüber jetzt nachlesen, was Busch im Anfang des3. Bandes seinerTagebuchblätter zu berichten weiss, welcheBosheiten und Lügen Lothar Bücher sogar in socialdemokra-tischen Blättern überdie nationalliberalen Seeessionisten ver-breitete, und welche Witze dem edlen Busch zu Folge überdieBamberge, Laskcre und Rickert, die Streber, gemacht wurden.Diese Stimmung desChefs, die in den Artikeln von Bücherund Busch dann noch einen groteskeren Ausdruck erhieltdas Schlimmste wurde freilich nur mündlich verbreitetkonnte natürlich bei den Aerlästerten auch gerade keinenversöhnenden Eindruck machen. So verschärften sich die