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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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Gegensätze immer mein - . Der philosophische Glciehmuth, mitdem Bamberger die Dinge mehr als kaum ein Anderer be-handelt hatte, hielt daher auch nicht immer hei ihm vor.Doch musste Bismarck ihm in der grossen Hede, welche eram 14. Juni 1882 einer Auseinandersetzung' Bamberger» ent-gegenstellte, einräumen:Der Herr Abgeordnete Bambergervermeidet auch seinerseits diese Klippe [des Grobwerdens);ich kann ihm die Anerkennung nicht versagen, dass er mitsehr gewandter Dialektik immer die Formen der guten Ge-sellschaft seinerseits beobachtet. Es sollte das geschehen vonallen Seiten (Heiterkeit). Aber im llebrigen, in Bezug auf dasdadurch bethätigte Wohlwollen, kann ich nur mit dem Sprich-wort antworten: Le diable n'y perd rien. Seine Pfeile, dieer mit seinem Wohlwollen unter dem wohlthuenden Mantelder Sanftmuth und der leidenschaftslosen Sprache abfeuert,sitzen um so fester . u Wenn der Reichskanzler diese vor-nehme Haltung Hamburgers ihm gegenüber eingestand, nach-dem er ihn in einer allein auf ihn persönlich sieh beziehen-den Antwort als ein Sujet mixte stigmatisirt hatte, das,wenn es möglich wäre, sich auch in Paris sein Bürgerrecht das er ja nie besessen gewahrt hätte, so kann manschon daraus erkennen, von welcher Seite die verletzendenpersönlichen Angriffe ausgingen.

Durch alle Anzapfungen dieser Art im Allgemeinen dochunbeirrt und durch parlamentarische Misserfolge nicht pessi-mistischgestimmt, Hess sich Bamberger in der Vertretung seinerdurch Erfahrung und Nachdenken gewonnenen politischen Ueber-zeugungen nicht einschüchtern, sondern vertheidigte sie bei jederihm passend (irscheinenden Gelegenheit in seiner Weise imReichstage und in der Presse. East keine wichtige parlamenta-rische Verhandlung fand statt, in der er nicht in längererBede das Wort ergriffen und unter vollster Aufmerksamkeit desHauses gesprochen hätte. Da er uns selbst in einem Excurseseiner Selbstbiographie einen, seinen eigenen praktischen Erfah-rungen entnommenen, kleinen Katechismus für Parlamentsrednerhinterlassen hat, S. 55 u. f., so haben wir nicht nöthig, unsüber seine Redeweise näher auszulassen. Theorie und Praxis