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stimmten bei ihm zusammen mul es hat in der Thai nichtviele Redner des Reichstages gegeben, denen dieser so willigund andauernd , wenn auch oft widersprechend, gelauschthätte als dem Abgeordneten von Alzey-Bingen . So hielt erbei der Etatsberathung für 1884/85 im Mai 1883 eine grosseRede, in der er sieh über die Missachtung des Parlamentsvon Seiten der Reichsregierung beklagte und damit schloss,dass er zu bedenken gab: „Der deutsche Reichstag und derdeutsche Kaiser sind im Sinne des Volkes an Einem Tagegeboren sie leben zusammen und einer trägt den anderen;wir sind, welche Opposition wir auch machen mögen, immerSeiner Majestät allergetreueste Opposition, und in diesemSinne werde ich mir auch erlauben, gegen die socialpoli-tischen Projecte zu stimmen. a (legen diese „oratorischeLeistung“ Bambergens, wie sie selbst politische Oegner ge-nannt haben, fiel die Entgegnung des Finanzministers Scholzziemlich kläglich aus.
Die „socialpolitischen Projecte“, auf die Bamberger indieser Rede anspielte, waren durch eine kaiserliche Botschaftvom 14. April 1883, die an eine frühere vom 17. November1881 anknüpfte, zu einer acuten politischen Frage von grosserBedeutung geworden. Hatte Bismarck zur Einleitung dergründlichen Umgestaltung des gesummten Zolltarifs seinenvon ihm allein Unterzeichneten Decemberbrief von 1878 fürgenügend erachtet, so glaubte er bei der Durchführung seinerganz neuen socialpolitischen Projecte des directen Eingreifensdes ehrwürdigen Kaisers nicht entrathen zu können. Die(lewinnung des Kaisers für diese Botschaft war dem Reichs-kanzler auch nicht so schwer geworden, als für manche andere.Jeder für das Wohl seiner Mitmenschen besorgte Bürgerkonnte auch den landesväterlichen Absichten des Kaisers bei-pdichten. Es handelte sich nur darum, wie diese in derForm von besetzen ausgestaltet werden sollten, (legen diesesocialpolitischen (fesetzesvorlagen richtete sich nun die Oppo-sition Bamberger’» und seiner politischen Freunde.
Der Reichskanzler hatte eingesehen, dass durch seineAusnahmegesetzgebung gegen die Socialdemokratie diese nicht