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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Mainz . Johann Schöffer.

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Ucberdies zählte Schöffer schon zwischen 70 und 80Jahre und seine Lebcnstage neigten sich zn Ende.Das letzte Bnch, welchem Peter Schöffer seinenNamen untergesetzt hat, ist die vierte Auflage desprächtigen Psalters von 1457. Merkwürdig bleibteS immerhin, daß jenes nämliche Meisterwerk, durchwelches er seine Kunsttalente zum ersten Male knndthat, auch die Lausbahn seines langen und thätigenKünstlerlebenS schloß. Er beendigte dies Werk amVorabende des h. Thomaötagcs, 21. December 1502.Daß er im Laufe der nächsten drei Monate gestorbensein müsse, erhellet aus der Schlußschrift des am27. März 1503 beendigten

FAercnrius Trismegistus,wo sein Sohn Johann Schöffer als Drucker ange-geben ist. Genauer läßt sich sein Sterbetag nichtnachweisen. Ja, man weiß nicht einmal, wo seinesterbliche Hülle beigesetzt worden, und ebenso wenigkennt man den Sterbetag und die Grabstätte seinerGattin, Christiane Fnst. Die alten Kirchenbücherder Mainzer Pfarreien wurden bei der Eroberungder Stadt durch die Schweden im Jahre 1631geflüchtet und kamen nicht mehr zurück.

Hat Peter Schöffer auch keinen Theil an demNichme der Erfindung der Buchdruckerkunst, sogebührt ihm doch die Ehre, ihr erster Verbesserergewesen zu sein. Mit Recht muß man daherbedauern, daß in den Basreliefs desGutenbcrg-denkmals" zwar dem Fnst, nicht aber dein Schöffer eine Stelle gegönnt worden, obwol diesem dieMainzer Erfindung erst ihren Schlußstein verdankt.Indessen hat ihm seine dankbare Vaterstadt Gerns-heim noch früher, als Mainz seinein Guteuberg, ansihrem schönsten Platze in einem kolossalen Stand-bilde ans Sandstein am 9. Juni 1836 ein Ehrcn-dcnkmal errichtet.

Die Statue in doppelter Lebensgröße ist nebstdem Picdcstal aus einem einzigen Steinblocke ausder Gegeud von Heilbronn durch den großherzogl.hessischen Hofbildhauer I. B. Scholl in Darmstadt mit Kunst und Geschmack bearbeitet und trägt aufder Vorderseite des Fufigcstclles in gothischen Buch-staben die Inschrift:Dem Andenken Peter Schoffcrs von Gcrns-heim, weltlichen Richters zn Mainz , dem

«Mitcrfinder der buchdruckerkunst, der durchseinen ^orschungso,eist diese Kunst ticrnoll-Kommnet und mit dem thätigste«. Eifer ver-breitet hat, weiht diesen Denkstein seineVaterstadt das dankbare Gernsheim im Jahredes Seils 1836."Der ehrenfeste Drnckerherr, im besten ManncSaltcraufgefaßt, stehet da in einem laugen mit Pelz ver-brämten Ueberwnrfe, sinnend, eine Tafel mit Ma-trizen in der linken Hand, mit der Rechten bedeu-tungsvoll darauf hinweisend. Die Schriftcharaktercbilden die Worte:Matrizen" undPatrizcn"und die Jahreszahl 1450. Ein eisernes Geländerumzirkt daS herrliche Mouumeut.

Seine Verdienste hat C. Dahl in einem beson-dern Werke:Peter Schöffer , Miterfiudcr derBuchdruckerkuust, Wiesbaden , 1814. 8." und inder Schrift:Die Buchdruckerkunst crfuuden vonJohann Guteuberg, verbessert und zur Vollkom-menheit gebracht durch Peter Schöffer von Gerns-heim, Mainz , 1832. 8." und ve. H. Küuzel inPeter Schöffer von Gernsheim , der Mitcrfinderder Buchdruckerkunst, Darmstadt , 1336. 8." histo-risch gewürdigt.

Johann Schöffer

druckte von 1502 bis 1532.

Peter Schöffer hinterließ zwei Söhne, von wel-chen der Aclterc nach seinem Großvater mütter-licher Seite Johann, der Jüngere aber nach seinemVater Peter genannt wurde. Beide widmeten sichder Buchdruckerkunst. Johann blieb im Besitze desväterlichen DruckhauseS uud Geschäftes, Peter abererhielt das HausZum Korbe" in der Korbcngasfe,welches an jenesZum Humbrecht" grenzet nndnoch heut zu Tage in seiner alterthümüchen Gestaltvollkommen erhalten dastehet, zu seinem Erbautheilc.Im Jahre 1512 sah er sich gcnöthiget, dieses Hauszu verkaufen und Mainz zn verlassen; worauf er inWorms eine Werkstatt errichtete, und von 1527mehrere Werke daselbst druckte. Er folgte ganz der