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Sitte jener Zeit und wanderte mit seinem Druck-apparate von Ort zn Ort, wohin ihn Aussichtans Gewinn oder erhaltene Auftrage riefen. VonWormS zog er nach Straßburg , wo er im Jahre 1532Lieglrri Si)ria, Palncstina und Araliia druckte.Im Jahre 1541 finden wir ihn zu Venedig, in wel-cher Stadt er eine lateinische Bibel und „Marcardiepistotas medicinnles" an das Licht treten ließ.
Johann Schöffer gehörte zu den angesehenstenBürgern seiner Vaterstadt. Er war Mitglied desNalheS und Eigenthümer von drei Häuser». Durchdie Druckwerke, die in dreißig Jahren seines Künst-lerlcbeuS, vou 1502 bis 1532 ans seiner Officinhervorgingen, hat er seinen Namen auf die Nach-welt gebracht. Das erste Werk, welches bald nachseines Vaters Tode unter seiner Firma erschien, warFUercurins Trismeo,istus, >>I»s. 1503. kvl.Noch in dem nämlichen Jahre folgte:
Infornmtio de gencalogia !>. Virginis rpisponse Jinrbare, !n 4.Als eine seiner bedeutendsten Leistungen kann mandie erste deutsche Uebersetzuug der römischen Ge-schichte des Titus LiviuS
Römische Historie uß Tito liuio gezogen,Mentz, 6. Marz 1505 in Folio,betrachte». Charakteristisch sind die Holzschnitte,auf welchen »ran die römischen Senatoren in spa-nischer Tracht und die Krieger in der ritterlichenRüstung des MittclaltcrS erblickt. Die Stelle derMauerbrecher, Bassisten und Katapulte» ersetze»Karthannen, Mörser n»d Kanonen. Das Werkist dem Kaiser Marimilian 1. zugeeignet. In derDedication sagt Johann Schöffer, indem er vonMainz spricht:„in welcher Stadt nnfiingl.lich die wunderbareKunst der Druckerei), r>nd im erste» von demKunstreichen Johan Guttcnberg, do »mn znltnach Christi vnsers Herrn Geburt tausendvierhundert nnd fünfzig Jare, erfunden unddarnach >»it oleiß, Kost vnd arbeit JohannFausten und Peter Schöffers zu mentz gebessertvnd beständig genmcht ist worden."Hier gab er also der Wahrheit die Ehre, aber nichtimmer finden wir ihn ebenso aufrichtig; denn schonin dem am 1. April 1509 erschienenen
Enchiridion seu Nrcviarinm
behauptet er in der Schlußschrift, sein GroßvaterJohann Fust habe diese Kunst zuerst erfnndc».Durch ein gleiches Vorgeben snchtc er i» Vorrede»oder Schlußschristen seiner späteren Drucke, derenman noch gegen hundert zahlt, dem verdienstvolle»Gntenberg die Ehre zu rauben und seinem müt-terlichen Großvater zuzuschreiben. Er verbreitetesomit im 16. und 17. Jahrhunderte, bis 1690 die„Annalen des Klosters Hirsclmu" erschienen, überdie wahre Geschichte der Buchdruckerkunst ein tiefesDunkel, welches die Städte Straßbnrg und Hcirlembenutzten, um sich den Ehrenkranz anzueignen.
Unter den zahlreichen Erzcngnisscn seiner Presselieferte er im Jahre 1516 eine neue Auflage desPsalters (die fünfte und letzte); 1518 eine latei-nische Ausgabe des Livius ; 1519 bis 1523 mehrereWerke von Ulrich von Hütten und von Erasmnsvon Rotterdam . Sein letztes Werk war die dritteAuflage der „Bambergischen HalSgerichtSordnnng".Da diese mit vollständiger Datirung am 20. Mai1531 und im Monat Angnst des nämliche» Jahresdas erste Druckwerk seines Nachfolgers und NeffenJvo Schöffcr's „Vitalis de Furno «Lardinalispro conservanda sanitate" erschien: so ist nichtzu bezweifeln, daß er in dieser Zwischenzeit gestor-ben sei. Er hinterließ vier Kinder: Johann, Anna,Ursula und Hildegard, von denen nichts weiter be-kannt ist, als daß sie 1535 noch Eigenthümer desDruckhanses waren, ohne jedoch an dem Geschäfteselbst Antheil zn haben.
Jvo, der Sohn Peter Schöffcr's des Jüngeren,setzte dasselbe bis zum Jahre 1552 sort. Das letztevon ihm gedruckte Buch ist „des h. RömischenReichs Ordnungen" vom 20. Januar 1552 datirt.Gerade ein Jahrhundert früher hatte sein Groß-vater Peter Schöffer begoimc», wirksame» An-theil an der Förderung der Bnchdruckerkunst zunehmen. Jvo starb kinderlos. Seine Wittwe ver-ehelichte sich mit einem Doctor Philipp Kolgc»von Schweppciihausen, die Druckerei aber ging anBalthasar Lips über, welcher seine Officin ansdem Hofc „Z»m Hnmbrccht" in ein Haus amFlachsmarkte, jenem „Zur Wetterschcllcn" gegen-über verlegte.