Druckschrift 
Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
Seite
346
Einzelbild herunterladen
 

346

Privatdruckereie». Großbritanir».

und der Abspannung der Geister zu Anfang desvorigen Jahrhunderts waren nur wenige Privat-prcssen in Thätigkeit. Doch kennt mau eine Samm-lung loyaler Gesänge und Lieder: collectiv» oklo^al song« -Mll xoems", welche auf dem SchlosseNaglaud (^K.ixland Oastle) im Jahre 1750 ge-druckt worden sind. Eine neue Aera der britischenLiteratur begann. Auf die bigotten excentrischenStaats- und NeligionSschristeu folgte die gesundeMilch einer classischen Dichtkunst und Geschichts-forschung. Die erste Presse in den Handen einesPrivatmannes, die unS von nun an begegnet, istdiejenige des Lordö Hampden zu Glynde beiLcwcs iu Snsser, aus der 1770 die beschreibendeIdylle1'>>s Summer Da)'" hervorging. Der be-rühmte John Wilkes hatte einen Druckapparatin seinem Hause Great George Street Westminster,mit dem er l'be NortI» vriton " und Boulauger'snachgelassene und viel berüchtigteHeclierclies snrl'url^ino tlu tles^>otisms orientul" durch ThomasFormer ausführen ließ.

Zu Hadford in Cardiganshire, nun Eigen-thum des Herzogs von New-Castle, hatte derfrühere Besitzer John es eine Presse errichtet, auswelcher die trefflich ausgestatteten Chroniken vonFroissart, Monstrelct und Joinville " hervorge-gangen sind. Diese Ausgaben haben nicht wenigznr Kenntniß jener denkwürdigen Perioden des fran-zösischen Mittelaltcrs in Großbritanien beigetragen.

Zu Hartwell in Buckinghamshire wurdenwahrend des Aufenthalts der vertriebenen Königs-familie aus dem Hause Bourbon geheime Prokla-mationen und andere Flugschriften zu Gunsten derLegitimität mittelst einer Handpresse gedruckt.

Wirksamer jedoch als diese verborgenen Werk-stätten im Dienste der Politik waren die offen-baren und größeren Privatofficiuen zu Dar-lington in der Grafschaft Durham , Stadt miteiner durch die Köuigiu Elisabeth 1S67 gestiftetenFreischule, wo George Allan im Jahre 1768 seinenützlichen Arbeiten begann und in großer Mengeruhmvoll ausgeführt hat, so zu Auch inleck inder Nahe von Cumnock an der Straße von Dnm-srics nach Kilmarnock, dem Landsitze Sir AlexanderBoswcll's, wo der Enkel des Biographen Samuel

Johnson's um 1811 zuerst mittelst einer Rnthven-schen Handpresse defectc Eremplare seiner Vücher-sammlung ergänzte, spater aber durch einen geschick-ten, ihm von dem achtbaren Typographen GeorgeNamsay empfohlenen Werkmeister mehrere selbst-ständige Werke und einige bis dahin unbekannteManuscripte vervielfältigte.

Einen hohen Ruf haben die Bücher aus der1,es ?rior> Press", auf dem in der Nahe vonCanterbury gelegeucn Landsitze des berühmten Bi-bliographen Sir Egerton Brydgcs 1813 begründet,welche sich sowol durch die Wahl dcS Stoffes, alsdurch Eleganz und Corrcctheit auszeichnen. Hierwirkten die geschickten Typographen Johnson, derVerfasser des Handbuchs über die Buchdruckerkunstund Warwick, Beide aus Bensley's Schule. AlsBrydges aber uach 1318 aus dem Eontincnte lebte,geriet!) die Officin ins Stocken und hörte 1823 ganzauf, thätig zu seiu. Der eiust so besuchte Musensitz,voll von Schätzen der Wissenschaft und Kunst, istjetzt verödet.

Zu Newcastle am Thue wurde zwischen 1317und 1825 aus Veranlassung und Kosten mehrererBücherfreunde, welche später in eine typographischeGesellschaft zusammentraten, von dem bekanntenHodgson ans jenes gelbliche Papier gedruckt, welchesfür die neue Ausgabe von Dugdale'S Monasticon> angewendet worden. Die wenigen Eremplare warenstets nnr für die Mitglieder oder zur Vcrtheilungan deren Freunde bestimmt. John Adamsou wareiner der eifrigsten Beförderer der trefflichen New-castle - Ausgaben.

Middle-Hill in der Grafschaft Worcester,der Landsitz des gelehrten und liberalen Sir ThomasPhilipps, ist cbensowol durch die ausgezeichneteBibliothek des Eigenthümcrs, die allein über 8000der kostbarsten und seltensten Handschriften des Mit-telalters in sich faßt, als auch durch die von Philippszuerst iu dem Lro»ä>v^ Ion er (?urris I-ltivieusis)

und nachher in Middle-Hill selbst errichteten Presseberühmt geworden, deren zahlreiche und trefflicheErzeuguisse der Baronet durch Edwin Offer unterseinen Angen ausführen ließ und dabei selbst dasAmt des Correctors versah. Die weniger fehler-freien Ausgaben sind während dessen Abwesenheit