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Typometric.
bis 1775 gemacht, nämlich von dem bekanntenSchriftgießer Wilhelm Haas in Basel , welchem derHosdiatonuö Preuschen in Carlsruhe die Idee dazugab, nnd von dem Erfinder des Notendruckes, demrühmlich bekannten im? hochverdientenI. G. I. Breit-kopf in Leipzig . Beide nahmen in besonderen Schrif-ten die Priorität der Erfindung in Anspruch. Haasmachte seine Versuche zuerst bekannt und Breitkopfbewies, daß er sich bereits seit zwölf Jahren mit derTypomctrie beschäftigt, aber, mit den Resultaten nochnicht zufrieden, absichtlich geschwiegen habe. Dieuubesriedigeiiden Abdrücke ihrer Landkartensätze,wozu der Erstere den Canton Basel, der Letztere dieGegend nm Leipzig wählte, gaben den mühevollenund kostspielige» Versuchen keiue weitere Folge, unddie Idee scheint lange Zeit in Vergessenheit gerathenzu sein, bis die mit allen technischen Hülssmittelnausgestattete berühmte Bnchdrnckerfamilie Didot inParis, namentlich Firmin Didot , die Sache miteinem angeblichen Aufwands von 50,000 Francs inden Jahren 1820 bis 1830 auch versuchte, alleinebenfalls zu keinem entsprechenden Resultate gelangtsein dürste, indem hierüber nicht mir nichts bekanntwurde, sondern auch bei den Industrieausstellungenin Paris in den Jahren 1335 und 183S nichts der-gleichen gezeigt wurde. Einige typometrische Ver-suche hat auch der Buchdrucker Wegcner der Jüngerein Berlin gemacht, worüber der General Menu vonMinntoli in den Denkwürdigkeiten der militärischenGesellschaft zn Berlin Band I. Seite 146 Berichterstattet. Im Jahre 1332 gab Georg Vauerkellerin Frankfurt a. M. mehrere Karten heraus, diedurch den Buch - und Steindruck vereint ausgeführtworden waren, was man in Paris schon vorher mitGlück versucht hatte. Endlich trat Naffelsperger,der die Idee des Laudkartendruckes, ohne von denfrüheren Versuchen etwas zu wissen, schon längstim Geiste mit sich herumgetragen, im Jahre 1839mit der General-Postkarte des östreichischen Kaiser-staateS in vier Blättern hervor, welche als ein durchbewegliche Charaktere hervorgebrachtes rein typo-graphisches Erzeuguiß allgemeinen Beifall ernteteund bei der Wiener Gewerbeausftelluug von derlaiserl. köuigl. Prüsnngscommission mit der gol-denen Medaille gekrönt wurde.
Aus diesen Thatsachen crgiebt sich nun, daßdie Typomctrie in ihren gegenwärtigen Leistnngenin Wien als daS Ergebniß einer durch vorherge-gangene Versuche zwar vorbereiteten, aber nachlangem Nuheu des Gegenstandes erst durch selbst-ständige Combination wieder ins Leben gerusenenErfindung betrachtet werden kann.
Die Hauptaufgabe für den Typographen war:mit den einfachsten nnd zugleich wohlfeilsten Mittelnjede wie immer gestaltete krumme Linie, wie die aufden Landkarten vorkommenden Linien der Gebirge,Meere, Seen, Ströme, Flüsse, Ufer, Straßen,Grenzen Ze. durch bewegliche Typen geographischgenau und deutlich anzugeben, die Bezcichnnngender Städte, Dörfer, Festungen, Poststationen unddergleichen durch besondere Zeichen darzustellen unddas Ganze mit der erläuternden Schrift in Harmoniezn bringen. Niemand, der die Schwierigkeiten einersolchen complicirtcn Ansführung kennt, wird dieWichtigkeit der Erfindung, die noch keineswegeS alsbeendigt oder abgeschlossen zu betrachten, sondernganz gewiß noch einer mannigfachen Vervollkomm-nung fähig ist, in Zweifel ziehen wollen. Schonnach dem gegenwärtigen Standpunkte der Typomctrielassen sich deren Erzeugnisse in folgende vier Haupt-klasseu theilen:
1) geographische Abdrücke: Situationszeich-
nungcn und Landkarten, Pläne aller Art;
2) mathematische Abdrücke: einfache Linien-
bilder von allen geometrischen Figuren, Ma-schinen-Contouren, Grundrissen, Durch-schnitten u. s. w.;
3) naturhistori sch e Abdrücke: Darstellungen
von Thieren, Figuren, Blumen u. s. w.;
4) Druck von Zeichenschriften: Hierogly-
phen, Pastgraphie, Chinesisch u. s. w.Für letztere Sprache treten die Vorzüge in ein umso glänzenderes Licht, da der typographische Druckchinesischer Werke wegen der außerordentlich großenMenge Buchstaben beinahe unüberwindliche Schwie-rigkeiten darbietet.
Die typometrischen Producte zeichnen sich vor-züglich durch charakteristische Darstellung der Haupt-gegenstande aus, und liefern durch Anwendungangemessener Farbengebung entsprechende deutliche