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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Typometric.

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geeignetes System aufstellte, das allen Nachfolgernmehr oder weniger zur Basis gedient hat. SeineTypen stehen besser, als die spateren Fouruier'schenund Eando'schen und ihre Form ist in jeder Hinsichtschöner. In neuester Zeit hat man besonders inFrankreich diesem Kunstzwcige große Aufmerksamkeitgewidmet. Im Jahre 182i> machte der berühmte Typo-graph E. Duverger in derHevuv inu«ic->ls" dieersten Erzeugnisse seiner langjährigen Versuche be-kannt uud erutete wegen der Eleganz der Form,der schönen Verhaltnisse der Klammern und Vor-zeichnungen und des ununterbrochenen FortlauseuSder Notculinien allgemeinen Beifall. Außer treff-lichen Stereotypplatten liefert er drei verschiedeneGrößen von Charakteren, ganz kleine sür Almanacheund dergleichen, ganz große für Wandtafeln inSchule», Kirchen u. f. w. und von mittlerem Kegelsür die gewöhnlichen Musiksatze.

Nach ihm verdienen Brnn, Tantenstein und Cordclgenannt zu werdeu, die ebenfalls Schönes leisten.Doch steht die Firma Breitkopf und Härtet denFranzosen nicht nach. Ihre Noten sind in deutschen Druckereien immer noch die beliebtesten. Sie liesertebenfalls Musikstereotypcn; doch war K. Tanchnitzder Erste in Deutschland , der mit Erfolg die Stereo-typie auf den Notensatz anwendete.

Ist die frühere Methode deS musikalischeu Druckesmit Kupferplatten wegen der zu hohen Preise langstnicht mehr in Ausübung, so haben doch sowol dieLithographie als der Zinnstich, wo die Roten mitStahlsteiupel» auf Ziuuplatteu geschlagen werden,den ^allerdings kostspieligeren Notendruck mit Typennoch nicht überall zur allgemeinen Anwendung kom-men lassen; nichts desto weniger leistet er bei Lehr-büchern, wo Beispiele in den Tert aufzunehmen sind,treffliche Dienste. Ueber Mnsikdrnck geben die Werkeeines Fournier, Gando, Breitkops und CrapeletAufschluß.

Den gegenwärtigen Höhenpunkt deS Notendruckesin Deutschland zeigt das hier beigefügte, von demwackern jungen Typographen Richard Tcubner, demSohne des Verlegers dieser Säcularschrift, gedichteteund von dem k. s. Kapellmeister Neissiger eigends zndiesem Zwecke in Musik gesetzte Lied mit Chor ausGutenberg und seine Erfindung.

Typometrie.

Die Kuust: Landkarten, topographische Situa-tionen und alle Arten von Planen, wie Bücher zusetzen und zu drucken, heißt Typometrie oder typo -metrische Kunst.

Dieselbe ist eine Erfindung der neuesten Zeitund bildet einen neuen Zweig der Buchdruckerkunst,über welche um so mehr die wenigen geschichtlichenDaten anzugeben sind, als dadurch die Bemühungender Vorganger des Erfinders, Franz Naffelfperger'S,Geographen und Besitzers der ersten typographischenKnnstdrnckcrei in Wien , in daS gehörige Lichl gestelltwerden. Es hatte zwar sehr bald »ach der Erfin-dung der Buchdruckerkimst Conrad Swey»heym denAnsang gemacht zu der lateinische» KoSmographiedes PtoleiuauS von 1478, welche sein Freund undGeschaftönachfolger Arnold Bucking vollendete, diegeographischen Karten zu drucke», allem nicht mitbeweglichen Typen, sondern mit Metallplatten, aufdenen die Schrift mit Bunzcn eingeschlagen und die

5 übrigcu Zeichen und Figuren eingegraben waren.Der Ulmer Drucker Leouhard Hol ließ die Karte»z» semer Ausgabe des nämlichen Werkes vom Jahre1482 durch Schnitzer von Armsheim in Holz ciuS-führeu. Da aber die Schrift das non plus ulti-a einesHolzschneiders ist, wenn sie schön und scharf seinsoll, so wurden nur die Figuren auf Holz geschnittenund in die Stellen, wo Schrift zu stehen kommensollte, Löcher gemacht, in welche man alsdann dieNamen mittelst gewöhnlicher Lettern hineiiisteckteuud so mit der Holztafel zugleich unter die Presse

! brachte, wodurch die Karten zwar leserlich wurden,aber ein höchst seltsames Ansehen bekamen. Ebenso istdieFolioauSgabe deS Ptolemaus von 1511. (Venedig,Jakob Pet. de Lenccho) gedruckt. Späterhin mußtenLetztere stets durch den Grabstichel auf Holz oderKupfer bewerkstelligt werden und Niemand dachtewahrend mehr als zwei Jahrhunderten an typogra-phische Ausführung, bis der Gedanke auf einmal inden Köpfen zweier Deutschen ansstieg uud zur erpro-benden That sich gestaltete.

Die ersten Versuche, Landkarten typographisch zusetzen und zu drucken, wurden au zwei verschiedenenOrten beinahe zu gleicher Zeit in den Jahre» 1770

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