Typometrir.
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Naturbildcr des Landes, der Wasser, Blumen u. s. w.,welches die bisherigen gewöhnlichen schwarzen Ab-drücke der Landkarten, die Kupfertafcln bei Werkenüber die Mechanik, bei Schulbüchern über Geometrie,Mathematik, Stereometrie, Architektur u. s. w. ganzentbehren, da sie gestochen uud schwarz gedruckt sind.
Die Typometrie nach Naffelsperger's Methodeverbindet mit dem Hauplvortheile einer unbegrenztenAnzahl von Abdrücken uud der daraus hervorgehen-den billigeren Preise die Möglichkeit, alte nur immerwünschenswertheu Correcturen und Abänderungendes Satzes ohne grossen Zeitverlust und ohne jedenKostenaufwand vorzunehmen, so oft es beliebt, Eigen-schaften, welche andere VervielfältigungSmittel, alsEhalkographic, Xylographie und Lithographie in sol-cher Vollkommenheit darzubieten nicht geeignet sind.
Der mehrfarbige Druck stellet dar, bei Land-karten: die Gewässer blau, die Straßen, Orts-zeichen, Grenzlinien u. s. w. roth oder rothbraun,die GebirgSzüge grau, die Schrift schwarz, die Wal-dungen, Alleen, Parke grau, und endlich werdendie braun gedruckten Grenzen mit beliebiger Farbebedruckt um die Handcoloriruug zu ersparen. Beimathematischen Gegenständen werden dieZiegelmauern roth, die Eifcntheile grau, die Holz-theile gelblich oder braun, die Steinmauern bräun-lich n. s. w.; beim naturhistorischen Druckeaber die Blumen mit ihren Contouren, Farben undSchattirungcn dargestellt. Die Abdrücke werdenauf den gewöhnlichen Buchdruckerpressen gemacht,und die Sätze köuncn beliebig vergrößert oder ver-kleinert werden, welches mit den Karren ans Kupfer,Stein, Holz oder Stahl nicht ausführbar ist.
Die Typometrie dürste daher bei dem Umstände,daß durch sie jede beliebige Karte in jeder beliebigenSprache geliefert werden kann, in der Geschichte derBnchdrnckerknnst um so mehr Epoche machen nndauf die Wissenschaft einen um so bedeutendem Ein-fluß üben, als sie zwei Haupthindernisse überwindet,die der größeren Verbreitung der Landkarten bisherim Wege standen: die hohen Preise brauchbarerKarten und die ganzliche oder theilweise Undent-lichkeit der Schrift, sowie das Unklare des ganzengeographischen Bildes auf den in Kupfer gestochenenoder auf Stein gravirten Blättern.
Bei der Erfindung von beweglichen aller nur mög-lichen Zusammensetzung fähigen Zeichen für Berge,Flüsse, Ufer, Landesgrcnzen, Straßen u. s. w. bliebder Wiener Geograph jedoch keincswegcs stehen.Es war noch ein zweiter mit bedeutenden Kostenverbundener Schritt nothwendig, um die typirtenKarten mit den Vorzügen auszustatten, welche die-selben nur durch die Typographie erlangen können.Die bisher in der ganzen Buchdruckerwelt gebräuch-lichen kleinen Schristgattuugcu, welche man zu denBrodschristen zahlt, sind nämlich in der Regelmager, daher zu wenig deutlich, um den geographi-schen Zwecken, zumal für den Schulgebrauch, voll-kommen entsprechen zu köuucu. Sind dieselbenzwar noch immer viel deutlicher uud lesbarer alsdie gestochenen, und können sie von Letzteren nieübertroffen werden, so schienen für Landkarten dochLettern nöthig, welche dicke Schattenstriche haben,sich durch größere Deutlichkeit auszeichnen und beialle dem nicht mehr Raum auf den Karten einneh-men als die gewöhnlichen mageren Buchdruckertypcn.Raffelspcrger hat daher, um französische, deutsche,italienische, englische, ungarische und polnischeLandkarten liefern zu können, fünf ganz neue soge-nannte geographische Alphabete schneiden und gießenlassen, nämlich:
stehende geographische Perl,
stehende geographische Diamant,
stehende geographische Sand,
liegende Haarschrift,
stehende Perl Ronde,dann für den Druck russischer und neugriechischerLandkarten ebenfalls stehende fettere Perlschrift jenerAlphabete.
Die von vielen landesherrlichen Bildnngsan-stalten geäußerte» Wünsche: für den Gebranch derstudircndcn Jugend typirte Karten zu liefern, dadieselben lesbarer und deutlicher sind, als die gesto-chenen und schwarzgedrucktcu, habeu den GeographenRaffelsperger veranlaßt, seine Erfindung selbst aus-zuüben und im Jahre eine eigene Druckerei zuerrichten.
Aus derselben sind bereits hervorgegangen: DieGeneral-Postkarte von Oestreich in vier Blättern,vier Farben und vier Sprachen (deutsch , italienisch,