M
auf die volle Durchführung der deutschen Goldwährung untermöglichst günstigen Bedingungen hinaus.» Die Doppelwährungs-staaten hätten den Silberpreis hoch gehalten und Deutschland nach Ablauf der vertragsmäfsigen Zeit, in welcher es kein Silberverkaufen durfte, eine relativ günstige Abstofsung seines Thaler-silbers ermöglicht. Aber sogar diese unschuldigen Konzessionengingen dem Fürsten Bismarck in der Form zu weit. In einemEntscheid, der zum gröfsten Theil von der Hand Bismarck’s selbstgeschrieben ist, und den Graf Caprivi im Reichstag am 12. De-zember 1892 vorgelesen hat, heifst es:
«Die Verheifsungen gehen über die vorgezeichnete Verhal-tungslinie bedenklich hinaus. Sie enthalten nichts, was von unsnicht bewilligt werden könnte; aber die Kundgebung der Bereit-willigkeit dazu ist verfrüht und in der Form fast ein Ver-sprechen . . .» und ferner: «Bezüglich Ihres Verhaltens auf dieserKonferenz wollen Sie sich zur Richtschnur dienen lassen, dafsDeutschland an den Grundlagen seines Münzwesens Aenderungenvorzunehmen nicht beabsichtigt und keinen Anlafs erkennt, durchEingehen vertragsmäfsiger Verbindlichkeiten sich in der freienSelbstbestimmung über seine Münzangelegenheiten Beschränkungaufzuerlegen.»
Das war die Stellung Bismarck’s zur Währungsfrage imJahre 1881, in dem Jahre, welches, was die Goldversorgung an-langt, das ungünstigste war, das Europa jemals gesehen; und andieser Politik des Abwartens hat die deutsche Regierung seitherfestgehalten, bis auf den heutigen Tag. Bei allen Währungs-debatten im Deutschen Reichstage, und fast ein jedes Frühjahrbrachte eine solche, nahmen die Vertreter der Regierung ent-weder eine vollständig gleichgültige oder eine dem Bimetallismusdirekt feindselige Haltung ein. Besonders der preufsische Finanz-minister Scholz vertheidigte jederzeit mit grofser Wärme unsereGoldwährung.
Ob vielleicht damals die Opposition gegen die bestehendenWährungsverhältnisse geringer war als heute? Ob ein Anwachsendes Bimetallismus und der bimetallistischen Agitation vielleichtheute eine andere Stellungnahme der Regierung nöthig machenkönnte?
Niemals hat der Bimetallismus in Deutschland einen gröfserenAufschwung erlebt als im Jahre 1880 und den direkt folgenden