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Keine Disciplin vielleicht erhebt so sehr wie die derVolkswirthschnft an das Wissen die Forderung, allgemeineabgezogene Begriffe mit besondern lebendigen Anschauungenzu verbinden. In dieser Disciplin aber selbst bildet dieLehre vom Gelde, und in dieser wiederum der Abschnitt vondem Bankwesen denjenigen Theil, welcher am meisten zuseiner richtigen Auffassung ein wechselseitiges Sichdurchdringenvon begriffsmäßiger Klarheit und praktischer Erfahrung ver-langt. Es ist nicht Zufall, daß die Begründer der national-ökonomischen Wissenschaft im vorigen Jahrhundert ihremHauptberuf oder zum mindesten ihrer ganzen Geistesrichtungnach Philosophen waren, die Quesnay, Turgot (diesersogar von Hans aus Theolog), Dupont de Nemours, Galiani und vor allem der wohlbestallte Professor und Schriftstellerder Moralphilosophie Adam Smith und sein BiographDugald Stewart. An den Begriffszerlegungen Ricardo'sund so vieler andern, die seitdem über Werth, Tausch, Grund-rente u. dgl. geschrieben, kann man sich so gut die Zähneausbeißen als an der „Kritik der reinen Vernunft" oderan der „Phänomenologie des Geistes". Aber niemand wirderwarten, daß mit solchen Begriffszerlegungen allein aus-zukommen sei. Wendet man sich jedoch vorzugsweise an diePraktiker, so ist die Sache eher schlimmer als besser.
Eines der gefährlichsten Thiere ist der Mensch despraktischen Lebens, der auf eine sein Wohlgefallen erregendeTheorie gerathen ist. Da gibt es keine Gnade und Barm-herzigkeit, alles muß hinein. Wenn ich Geld- und Bank-fragen zu erörtern habe, so will ich es lieber mit einemGelehrten der Nationalökonomie zu thun haben, der niemalseinen andern Wechsel gesehen, als den er zu seiner akademischen