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Die Zettelbank vor dem Reichstag : Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Wenn wir fragen: wie kommt es, daß die übereinstim-mende Praxis aller Culturländer Banken mit nicht ganzgedeckten Noten längst zu einer Fundamentaleinrichtung ge-macht hat, ohne welche ihre Existenz nicht mehr gedachtwerden könnte, so finden wir die Erklärung hauptsächlichin zwei Erscheinungen.

Erstens in der Erscheinung, daß von der ausgegebenenMenge von Noten einer jeden Bank (wir nennen Bankein für allemal nur eine großen Verhältnissen angepaßte)ein gewisser Bruchtheil stets im Publikum umläuft, ohnezur Auswechselung gegen Baar an der Bankkasse vorgezeigtzu werden, daß es daher ganz zwecklos wäre, fürdiesen stets draußen schweifenden Theil trägesMetall in den Kellern zu haben.

Zweitens: daß, wenn mit der Praxis der theilwcise un-gedeckten Noten commcrzicltc Gefahren verbunden sind, diesdas gemeinsame Los aller menschlichen, und namentlichaller geschäftlichen Einrichtungen ist. Auch Gebiete, welchesich keines fingirtcn Tauschmittels, keiner ungedeckten Notenbedienen, sind den sogenannten Krisen ausgesetzt, und wirbehaupten, sie sind ihnen stärker ausgesetzt als die mitNotenbanken versehenen Gebiete; denn die Hauptbcstimmungdieser Notenbanken, wenn sie gut organisirt und verwaltetsind, ist eben, Krisen vorzubeugen und über eingetretenehinanszuhelfcn, was sie mittels ihrer elastischen Geld-kraft besser können als Anstalten, die nur auf wirklich vor-handenes Metall angewiesen sind.

Also unnöthigc Verschwendung von Kraft auf der einenSeite, unzureichende Sicherheit gegen Gefahr auf der andern,das sind die Beweggründe, welche alle Culturlündcr be-