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Die Zettelbank vor dem Reichstag : Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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beobachtende Auge an, auf den ewig wachenden Sinn, aufdie einer lebendigen Bewegung folgende Lebensthätigkeit.Es gibt Regeln für alles, aber mit den Regeln kommt mannirgends aus, am wenigsten in dem unabsehbaren Getriebevon Handel und Wandel.

Die Regel also, sagten wir, will kurzlebige Operationen,und das Musterbild einer solchen ist die des Wechsels, zumaler nach Bankrcgcl nicht länger als drei Monate zu laufenhaben soll. Notabene drei Monate als Aeußerstcs; denn dadie Bank gar keinen Wechsel aus erster Hand nimmt (dafürsorgt die Vorschrift der drei Unterschriften), und überhaupteine große Anzahl erst im spätern Verlauf ihres Daseins,so leiht sie im Durchschnitt auf nicht zwei Monat aus.Wir haben bereits gesehen, daß im letzten Jahre die Wech-sel, welche durch die Preußische Bank liefen, theils 80, theils07 Tage Durchschnittsverfallzcit hatten. Der Wcchselhandcl,wenn er mit einiger Untcrscheidungsgabe getrieben wird,gehört zu den gefahrlosesten der Welt. Die großen Bankenhaben es zu einer merkwürdigen Virtuosität gebracht in derKunst, von Geldanlagen in Wechseln möglichst wenig zuverlieren. Momentane Stockungen kommen bei großen Krisenvor, aber der schlicßliche Verlust nach Rückkehr ruhiger Zeitenist dann äußerst gering. Nach der großen Erschütterung von18-18 und 1870 z. B. hatte die französische Bank beim erst-folgenden Abschluß einen sehr starken Ausstand an nicht ein-gelösten Wechseln, aber mit einiger Geduld schmolz das De-ficit im Laufe weniger Jahre auf einen verschwindend kleinenVerlust herab. Darum, weil bei genauer Sachkenntniß dasDiscontiren von Wechseln in der bewegbarsten und sicherstenArt Geld auf Zinsen zu leihen gestattet, ist der Zinsfuß