Druckschrift 
Die Zettelbank vor dem Reichstag : Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
91
Einzelbild herunterladen
 

lagen. Aber alle Vorschriften sind fchlbarcr als eine sichderselben redlich nnd weise bedienende Führung.

Und nicht blos um Einsicht und den undefinirbaren Takthandelt es sich dabei; noch maßgebender vielleicht ist das Ge-fühl der ungeheuern Verantwortlichkeit, welche eine auf dasWohl und Wehe der Gesammtheit so unberechenbar ein-wirkende Anstalt in sich trägt. Man nehme ihr das Gefühlder Verantwortlichkeit, und sie wird ein stumpfer, stetsgefahrdrohender Apparat! Sie muß wissen, daß das Landmit ganzer Wucht seine Anklagen, seinen Fluch arrf sieschleudern wird, wenn durch ihren Fehler die Gcldvcrhält-nisse in Verwirrung gerathen. Nun aber weiß jeder, daßgetheilte Verantwortlichkeit keine Verantwortlichkeit ist.Meinte schon Fürst Gismarck nicht ohne Aufführungmancher guten Gründe, daß selbst die in einem Collc-ginm vertheilte Verantwortlichkeit, also die doch auf eine insich zusammenhängende nnd zusammcnhandclnde Körperschaftbasirte, keine rschte sei, wie erst wenn mehrere Körperschaften,die nicht blos auseinandcrliegcn, sondern verschiedene wassage ich! entgegengesetzte Interessen verfolgen, je ein Stücksolcher Verantwortlichkeit tragen! Passirt ein Unglück, sohat's natürlich keiner verschuldet, gerade wie kein einzigerDienstbote einer Haushaltung jemals das zerbrochene Ge-schirr in Händen gehabt hat! Und diese Voraussicht derUnverantwortlichkeit erzeugt den Leichtsinn im Handeln.

Man wird vielleicht fragen: wie kommt es denn, daßbei der nach allem Obigen so fehlerhaften Verfassungdes deutschen Zettelbankwcscns, bei dieser Jnfusorienwelt vonWinkclzcttclsabriken, bisjetzt nicht mehr Unglück passirt ist?Wir haben uns die richtige Antwort bis hierher aufgespart,