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zu würdigen, müßte der Leser in alle Finessen und Winkel-züge der eigenthümlichen parlamentarischen Geschäftsordnungdes Landes eingeweiht sein. Die Gewalt der Mehrheit überdie Minderheit ist eine beinahe diktatorische, aber dafür istdie Minderheit wieder mit allerhand Rüstzeug versehen, dasihr gestattet, ihr Leben bis zum äußersten zu vertheidigen.Sie führt mit Handwaffen und Seitensprüngen einen wahrenBuschkrieg gegen die Kanonen der Mehrheit.
Was in europäischen Parlamenten an Taktik aufzu-bieten ist, bleibt Kinderspiel gegen die gelehrten Kombi-nationen zu Washington . Man denke sich auf der einenSeite einen Präsidenten, den Sprecher, der nicht nur, wiebei uns, von der Mehrheit, sondern eingestandenermaßenfür die Mehrheit gewählt ist, deren Interessen er ganz unver-froren wahrnimmt. Und dieser Präsident ernennt die beiuns von den Parteien erwählten Mitglieder der Aus-schüsse aus eigener Machtvollkommenheit; er selbst auch,nicht der Ausschuß, ernennt wieder den Vorsitzenden desletzteren und verfügt mit diktatorischer Gewalt über denGang der Verhandlungen, so weit nicht die Gegner ausdem Arsenal der Geschäftsordnung Werkzeuge Herbeibringenkönnen, die diese Diktatur wieder lahm legen. Was wirObstruktion nennen, was aber hier gerechte Nothwehr ist,nennen die Amerikaner slibustieren, Mbustsi-. Vor diesemFlibustern und vor diesem allein hatten die SilberleuteAngst. Der Präsident des Hauses, Crisp, ein Silber-mann, hatte den Abgeordneten Blaud selbst zum Vor-sitzenden des Ausschusses, der zugleich als Referent sigurirt,ernannt.
Gleich zum Beginn der Verhandlungen erklärte dannauch Herr Bland, er werde dem Hause nicht mehr alsdrei Tage Zeit geben, es war an einem Dienstag; amDonnerstag Mittag um zwei Uhr werde er die Debatte zumSchluß bringen; ferner wurde, nachdem er selbst anderthalbStunden gesprochen, verfügt, daß wegen der massenhaftenAnmeldungen von Rednern der Gegenpartei, diesen nur,je nach dem einzelnen Fall, fünf, zehn oder höchstens fünf-zehn Minuten Zeit für ihre Vortrüge eingeräumt werdensollten. Dagegen blieb Jedem unbenommen, eine beliebiglange Rede im Protokoll drucken zu lassen.
Später wurde versucht, den Schluß bis zum Sonn-abend hinaus zu schieben, und Bland zeigte sich geneigt,bis zum Freitag mit sich akkordireu zu lassen, aber einanderer wüthiger Silbermann legte sich dazwischen. Das-Haus war so voll wie noch nie. Am folgenden Tag brachteein Silbergegner einen Antrag auf Tages-Ordnung ein, der