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Silber / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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ganz überraschender Weise 148 Stimmen gegen 147 bekam.Nun sprang der Sprecher Crisp ein und gab mit seinerStimme den Ausschlag nach der andern Seite, so daß derAntrag mit Stimmengleichheit abgelehnt war. Daraus erhobsich der Protest, es sei salsch gezählt worden, und nachdemdies plausibel gemacht worden, ersolgte eine neue Abstim-mung. Aber hier unterlagen die Silbergegner mit ein paarStimmen. Die Debatte ging weiter. Einige Redner, diebis dahin unbekannt waren, machten großen Eindruck.Alte Parlamentarier sind dort eine Seltenheit, diePerioden dauern nur zwei Jahre, und Alles wechseltim raschen Fluß der Ereignisse. Der derbste Silberfeindwar ein solcher Neuling, Harter von Ohio . Eine Episodeseiner Rede beschreibt eine Zeitung wie folgt: Als Herr Harterschilderte, wie die Silberbarone das Volk an der Kehle packen,um es zur Prägung ihres Silbers zu zwingen, ergriff erden Stuhl, auf welchen Herr Mac Karg vor ihm saß, undrüttelte dermaßen daran, daß der Vormann entsetzt in dieHöhe fuhr. Dabei ließ er sich unter anderem zu folgendenAusbrüchen fortreißen:

Jetzt verlangen diese Silberbarone, daß die Regierungeingreife und ihr Silber, welches sie nicht einmal zu 90Cents die Unze verkaufen können, ihnen zu 129 abnehmeund damit das Gewerbsleben des Landes vernichte unddes Volkes Wohl und Glück zerstöre. Dies ein schweini-sches Verfahren nennen, to ckssoribs tllio s.8 lloMisllusss,hieße das nützliche Thier verleumden; so etwas hat mehr Ähn-lichkeit mit des Teufels Gier, als mit dem Instinkt irgendeines uns bekannten Thieres." Am Schluß seiner Redebeschlich ihn selbst die Empfindung, daß er etwas heftig ge-wesen sein möge, und er sagte:Ich bitte um Verzeihung,wenn ich ein Wort gesprochen haben sollte, welches die Ge-fühle irgend eines Mitgliedes unseres Hauses verletzt habenmöchte." (!) Dieser Redner gehört sogar bezeichnender Weisezu der demokratischen Partei, die in ihrer großen Mehrheitfür silberfreuudlich gilt. Und trotz der Maßlosigkeit ein-zelner Aeußerungen und der auf fünfzehn Minuten be-schränkten Dauer brachte er eine Fülle wirksamer That-sachen und Zahlen vor. Am meisten aber schlug ein, daßder Redner ein Amendement für den Fall, daß der Silber-antrag durchginge, folgenden Inhalts ankündigte: Wennauch schrankenlos geprägtes Silber als volles Geld Zahlungs-kraft erlangen sollte, so dürften ausnahmsweise fernerhinnur in Gold bezahlt werden Sparkassenforderungen, Pen-sionen und Arbeitslöhne. Diese schlau berechnete Klauselverbreitete Schrecken in den Reihen der Silberleute. Sie