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Silber / von Ludwig Bamberger
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alle Kunstgriffe der Silbermänner zu schmieden. Nein, jetztheißt es ein für allemal: Taschenspieler, Du wirst keinenGeist mehr rufen!" *)

Eine Folge dieser Entscheidung ist auch, daß die Aus-sichten Cleveland's für die Präsidentschaft ganz gewaltig ge-stiegen sind. Der aber ist ein abgesagter Feind aller un-ehrlichen Wirtschaftspolitik.

So hat sich im Laufe von anderthalb Jahren zweimal die-selbe Erscheinung wiederholt, daß Vernunft und Gewissenhaftig-keit nach heißem Kampfe auf dem Gebiet der großen Re-publik wieder zu Ehren gekommen sind. Der Sieg derSchutzzöllner rief die Gegenwirkung der Wahlen herbei, diesie im Sturm hinwegfegte. Und jetzt sind die Silbermänner,welche gerade auf diesen Wahlsieg ihre Hoffnung gesetzthatten, auch zu Schanden geworden. Es liegt etwas sehrtröstliches darin, daß trotz aller Verwilderung und Willkür,welche ein volles Maß von Freiheit und Kraft in der Ge-setzgebung dieses modernsten Gemeinwesens entfesselt hat,schließlich die gesunde Einsicht immer wieder die Oberhandbekommt. In ähnlichen Zuständen sagte einmal derfranzösische Gesandte in Washington schon im Jahre 1804:Wie für die Betrunkenen (11 a uu Disu xour Iss IvroMss)gibt es auch einen rettenden Gott für die Amerikaner."

Es ist ein merkwürdiges Stück Menschheits- undKulturgeschichte, das sich hier unter den Augen der heutigenGeneration vollzieht und dem in seinen tiefgreifenden Wir-kungen ferner zu folgen für den Eingeweihten ganz außer-ordentlich anziehend ist. Und darum darf man auch nichtdarauf verzichten, dem größeren Kreise der mit der Sacheweniger Vertrauten von Zeit zu Zeit wenigstens das Greif-

*) Wenn neuere Berichte melden, daß der gemäßigte Silberdemo-krat Springer am 8. April im Hause einen Antrag auf Abhaltung einerinternationalen Konferenz in Chicago eingebracht habe, so erklärt sichdas aus der Absicht, für die Präsidentenwahl die Silberfanatiker vonden Rockschößen abzuschütteln, wie umgekehrt die Nachricht, daß PräsidentHarrison den europäischen Staaten von Neuem eine Silber-Konferenz vor-schlagen wolle, aus der Absicht zu erklären wäre, den Silberfreundeneinen Finger zu reichen. Bekanntlich hat der englische Minister Goschenschon auf frühere Vorschläge dieser Art scheinbare Geneigtheit an denTag gelegt, indem er anbot, die englische Bank solle ermächtigt werden,ihren Statuten gemäß ein Fünftel ihres Baarschatzes in Silber zu halten,wenn die anderen Staaten sich verpflichteten, ihre Münzen der freienSilberprägung mit einem bestimmten Werthverhältniß zu Gold unbe-schränkt zu öffnen. Es ist möglich, daß, um dem Silber auf andererStaaten Unkosten zu Hilfe zu kommen, Goschen wieder sich auf diesenoder ähnlichen haltlosen Unterlagen zur Beschickung einer Konferenzbereit erkläre. Aber daß das Alles nur Scheinmanöver wären, liegt aufder Hand.