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barste und Begreifbarste daraus zu bieten. Etwas darinist jedenfalls selbst dem einfachsten Verstand zugänglich,nämlich die Unterscheidung zwischen Systemen, die aufwahrem und denen, die auf unwahrem Werthe beruhen.Der wahre Werth bedarf keiner Gesetzes- und Vertragsfabrikzu feiner Kraft.
Aber allerdings nichts ist unwahrer als die Behaup-tung, daß die Erkenntniß des richtigen Auswegs aus allenVerwirrungen der thatsächlichen Verhältnisse und aus allenVerfchlingungen der Streitfragen, welche Dauer und Mannig-faltigkeit der Erscheinungen angehäuft haben, so einfacherNatur wäre, daß mau jeder Mastenversammung mit einigenSchlagwörtern das volle Verständniß dafür beibringenkönnte. Mit dieser Art Demagogie charakterisirt sich diebimetallistifche Agitation diesseits und jenseits des Meeres.Wer sich ein Bild von der Fülle und Vielfältigkeit des be-lehrenden Materials machen will, das hier der Wißbegierdesich darbietet, und das, wenigstens in seinen neueren undbedeutenderen Arbeiten, kennen muß, wer ein fachgemäßes Ur-theil fällen will, der werfe einen Blick auf das neueste großeUebersichtswerk, mit welchem der unermüdliche Nestor undMeister des Faches, Professor Adolf Soetbeer , vor etlichenWochen uns aufs Neue beschenkt hat. Sein Litteraturnach-weis über Geld- und Münzw eseu, insbesondere überden Währungsstreit 1871—1891*) kommt, nach der In-tention des Verfassers selbst, wie ein Abschluß Hu derReihe seinerfrüheren unentbehrlichen Sammelwerke auf diesem schwer über-sehbaren Gebiete, und wie wohl zu hoffen und zu wünschen ist,daß der bejahrte Gelehrte trotz aller entgegengesetzten Ankün-digung immer wieder Lust und Kraft zu neuen Anläufenfinden wird, trifft es sich doch besonders glücklich, daß ermit diesem Schlußwerk auch in eineni Moment auftritt,wo thatsächlich eine so große Wendung in der Geschichteder Edelmetalle und damit eine neue Epoche in der Wirth-schaftsentwicklung des Occideuts zum Durchbruch kommt.
Anfang Mai 1892.