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warte», wie lange die Franzosen sicb für Englands Interessen opfernwollen.
Das wird wesentlich, wie ich glaube, von der Entwickelung ini Ostenabhängen. Daß die Dampfwalze der russischen Massen versagt hat,darüber besteht wohl heute kein Zweifel mehr. Das „zusammen-gebrochene" Österreich-Ungarn steht im Begriff die eingedrnngcnenRussen aus seinen Grenzen zu vertreiben und Hindcnburg hat in Polen die Dampfwalze so festgelegt, daß sie statt vorwärts rückwärts flutet.Bricht der Widerstand des russischen Heeres zusammen, dann wirdauch den Franzosen der Mut zu längerem Widerstand fehlen.
Ich hörte neulich eine lebhafte Unterhaltung darüber, ob wir zuerstmit Rußland oder mit Frankreich zu einem Sonderfrieden kommenwürden. Da sagte ein hervorragend kluger Mann: „Ich glaube, dererste Frieden kommt mit England zustande." Was meinen Sie hierzu?Es wäre die Rettung Englands. Die Bedrohung Englands liegt nichtnur bei unserer Flotte, nicht nur in der Möglichkeit, daß wir die französischeKüste besetzen, was wir ja leider anfangs September versäumten,sondern in der Entwickelung, die der Krieg des Islams gegen England langsam aber sicher nehmen wird. Denken Sie sich deutsche Armee-korps mit den Türken vereint im Anmarsch gegen Ägypten ! Ein sehrgenauer Kenner Englands sagte mir einmal, England schließt Friedennur in London — oder in Kairo oder Bombay. Lassen wir einmal inFrage, ob London bedroht ist, Kairo und Bombay sind sicher bedroht.Begreift man in England nicht den ganzen Ernst der Lage! Der Drei-verband hat keine Möglichkeit, den Islam niederzuschlagen, schon rückendie Türken unaufhaltsam in Persien vor, schon brandet die Flut anden Grenzen Indiens und Ägyptens . Dort sind die Achillesversen derenglischen Macht, wir werden sie treffen.
Aber eine Hoffnung muß dem Dreiverband noch genommen werdendie auch Sie andeuten. Das Eingreifen der Neutralen Italien und Ru-mänien . Damit ist es jetzt vorbei. Das war im Anfang des Kriegesmöglich, heute wäre es Selbstmord für beide Länder. Ich nehme hiermeine nationale Brille ganz ab und stelle mich voll auf den italienischenbzw. rumänischen Standpunkt. Als Italiener würde ich selbstverständlichdie Vereinigung aller Italiener mit Italien wünschen und mit allenMitteln anstreben^ Ich begreife deshalb das Streben der Italienernach den'. Trento. Doch auch in Nizza und Savoyen und in Korsika gibt es Italiener . Was aber Crispi zum Abschluß des Dreibundesführte, waren Gründe von bleibender und ausschlaggebender Bedeutung.