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Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
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Fürst Bismarck, dessen Ansichten über England und Italien übrigensebenso wie ich sie oben wiedergab, sich auch bei Hofmann,Fürst Bis-marck " Band I S. .825 finden, äußert sich hierüber in demselben Buche(I S. 351) in der folgenden auch heute höchst beachtenswerten Weise. Erhält einen Revanchekrieg Frankreichs damals (1891) solange für un-möglich als esden Bemühungen der Diplomatie gelingt, Italiens Lostrennung vom Dreibund bzw. dessen Alliierung mit Frankreich zuverhindern. Diese Aufgabe ist, namentlich unter Mithilfe Englands , nichtschwer zu lösen, weil Italien kaum darüber im Zweifel ist, daß es einBündnis mit Frankreich mit der Preisgabe seiner jetzigen unabhängigenGroßmachtstcllung zu bezahlen habe und zum Vasallen Frankreichs herabsinken würde."

War das zu Crispis und Bismarcks Zeit richtig, so ist es noch vielmehr heute zutreffend. Ein Sieg des Dreiverbandes ist die schwersteGefahr für Italien und für Rumänien Frankreichs und Eng-lands Übergewicht müssen im Mittelmeer, Nußland auf dem Balkan und an der Adria die Entfaltung Italiens und Rumäniens ausschließen.Deshalb wäre es nur als Selbstmord zu bezeichnen, wenn diese beidenStaaten einen solchen Sieg hätten herbeiführen helfen. Giolitti be-wies sich als wahrer Vertreter Crispischer Politik als er in seinem offenenBrief darauf hinwies, daß eine Nation nicht Gefühlskriege führe, unddaß Italien ebenso gut diplomatisch wie strategisch erreichen könne,was es wünsche. Ich möchte fast hinzufügen: nur diplomatisch und nichtstrategisch, aber das hat wohl auch Giolitti gemeint, wenn er auch sodiplomatisch war, es nicht auszusprechen.

Italien und Deutschland haben sich gemeinsam die Einheit er-rungen. Preußens Siege 1866 und 1870 verschafften den ItalienernVenedig und Rom. Frankreich hat sich die durchaus selbstisch geleisteteHilfe von 1859 mit Nizza und Savoyen bezahlen lassen und sichsogar mit Waffengewalt,die Wunder von Mentana " der Ein-verleibung Roms als italienische Hauptstadt widersetzt. Wer wie ichItalien wiederholt bereist hat, kennt den wunderbaren Aufschwung,den das Land genommen hat. Als Freund Italiens und der Italiener freue ich mich aufrichtig über die italienische Politik. Man tut denItalienern Unrecht, wenn man ihnen bei uns vorwirft, daß sie demDreibund die Treue brachen, weil sie nicht mit uns marschierten. DerVater des Dreibundes Bismarck spricht sie frei, indem er Englands Haltung uns gegenüber als maßgebend für Italien ansieht. Aberwenn die Italiener sich zum Kriege gegen die Aentralniachte würden