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fortreißen lassen, dann allerdings hatten sie einen schweren Treubrucbbegangen und unzweifelhaft wäre in Deutschland Hieralis ein dauernderHaß gegen Italien entstanden. Das hatte für alle Zukunft, vor allen,auch wirtschaftlich den Italienern den schwersten Schaden gebracht.
Italien und Rumänien konnten nur bei Kriegsbeginn crfolgreicbgegen uns eingreifen. Jetzt ist die Kriegslage so weit geklart, daß eingroßer Schaden für die Zentralmächte durch sie nicht mehr zu befürchtenstände. Wollte Italien wirklich seine Söhne nach Frankreich schicken, eswäre ein nutzloses Blutopfer, das den Widerstand der Franzosen unddamit den Krieg verlängerte, sehr im Gegensatz zu den Interessen Italiens ,die nach Abkürzung des Krieges drängen. In den schwierigen GeländenTirols würde Österreich den Italienern leicht Widerstand leisten. InAfrika aber würde die Türkei einen neuen, heftigen Kolonialkrieg gegenItalien entfachen und auf der Balkanhalbinsel kämen die Italiener in diedenkbar falscheste Front an die Seite ihrer natürlichen und konfessionellenFeinde gegen Österreich , mit dem sie gleiche Ziele, gleiche Feinde,gleiche Religionsintcrcssen gerade hier einen.
Nur im Bunde mit Österreich kann Italien auf dem Balkan undin der Adria seinen Standpunkt wahren, nur im Einverständnis mitder Türkei und dem Islam sein afrikanisches Kolonialreich erhalten,nur im Gegensatz zu England und Frankreich seine Großmachtstellungim Mittelmeer und überhaupt behaupten. Ist Italien scbon jetzt außer-stande gegenüber England selbständige Politik zu führen, wie ohnniächtigwürde es dann erst bei einem Siege Englands über Deutschland . Fürdie Neutralen ist der wünschenswerteste Alisgang des Weltkrieges, daßdie Partie remis endet; jeder volle Sieg einer Seite hat für sie Bedenken,immerhin aber der deutsche Sieg weniger als der des Dreiverbandes,denn die deutschen und italienischen Interessen decken sich überall undauch mit Osterreich besteht — abgesehen von Trento — eine Interessen-gemeinschaft lind über Südtirol wird schließlich eine friedliche Ver-ständigung wohl zu erreichen sein — wie Giolitti es offenbar im Auge hat.
Welche Verblendung wäre es gewesen, wenn unter solchen Um-ständen die Italiener — verführt von radikalen Phrasen — gegen unszu Felde gezogen wären, um entweder eine verhängnisvolle Niederlagezu erleiden oder lim einen Sieg zu erfechten, der sie selbst nur hätteschädigen können.
Ganz gleichartig lagen die Dinge für Rumänien , nur daß diesesbegreifliche Ausdehnungswünsche nicht nur gegenüber Österreich-Ungarn, sondern auch gegenüber Rußland hat. Wohnen doch Millionen