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Rumänen in beiden Nachbarstaaten. Aber auch hier gilt das oben gesagte.Ein Sieg Nußlands ist das Ende einer selbständigen, rumänischen Politik,er gefährdet sogar die Unabhängigkeit des Landes, das dann von Nuß-land und dem halbrussischen Serbien eingedrückt wird. Zudem würde ,Numänien den Krieg mit zwei Fronten führen müssen. Denn Bul-garien würde dann sofort eingreifen und Rache für den zweiten Balkan-krieg fordern.
Von allen Balkanstaaten hat Bulgarien die großzügigste undklügste Politik geführt. Im ersten Balkankrieg war es Bulgarien , dasdie größten Leistungen aufwies, und die schwersten Opfer brachte.Es ist dann um die Früchte dieser Opfer betrogen worden. Die Koa-lition gegen Bulgarien trägt jetzt ihre Früchte. Bulgariens Bündnismit der Türkei , mit der es eben auf Tod und Leben gekämpft, die mehroder minder freiwiilige Rückgabe Adrianopels haben Bulgarien eineRückendeckung verschafft, die ihm eine ausschlaggebende Stellung aufdem Balkan sichert. Die Türken haben mit Recht auf weitere Aus-breitung in Europa verzichtet.
Die Griechen ließen sich bisher nicht zu dem gefahrlichen Wagniseines neuen Krieges verleiten, bei dem sie alle ihre Erwerbungen aufsSpiel setzen würden, während sie bei der Aufteilung Albaniens auch aufGebietszuwachs hoffen dürfen. Die albanische Frage, die einstmalsden europäischen Brand zu entzünden drohte, wird schließlich vielleichtumi Hilfsmittel, diesen Brand zu löschen. Hier können Österreich undItalien sich gemeinsame Ziele schaffen, hier können für Griechenland und Bulgarien Austauschsmöglichkeiten sich finden und schließlich wirdSerbien der wohlverdienten Strafe nicht entgehen, wodurch Bulgariens Vergrößerung sich von selbst vollziehen dürfte.
Rumänien aber, das Bessarabien verlor zum Lohn dafür, daß esRußland vor Plewna rettete, wird seine Ausbreitung an der Donau-mündung und am Schwarzen Meer zu suchen haben. Es ist eine Ver-blendung sondergleichen, wenn Numänien eine russenfreundliche Politikzugemutet wird. Man nennt ja hohe Summen, die hierfür bezahltsind, aber sie sind doch zu niedrig gegenüber dem Vaterlandsvcrrat,den diejenigen begehen, welche Rumänien durch einen Angriff gegendie Habsburgische Monarchie ins Verderben führen wollten. Die Ge-fahr kann jetzt als abgewehrt gelten, wahrscheinlich hat sie nie bestanden,denn die Interessen Rumäniens für den Dreibund sind so unzweifelhaft,daß verantwortliche Staatsmänner sich für die Abenteurerpolitik einesAnschlusses an den Dreiverband schwerlich gefunden hätten. Man