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III. ABSCHNITT.
Unter dem Einfluss der wirtschaftlichen Ueberstürzungder ersten Hälfte dieses Decenniums hat auch Schilly dieFabrik vergrössert, neue Bauten hergestellt, im Dorfe neueWohnungen für die immer noch heranziehenden neuen Ar-beiter errichtet.
Yon 1871 — 1875 berechnet sich der Zuzug auf 130Personen.
Das Etablissement machte nun anscheinend glänzendeGeschäfte; die Aktie von 10000 Franken galt bis 30 000Franken. Aber der Rückschlag kam mit dem Jahre 1875:überall ein Krebsgang und in Folge der obwaltenden Ueber-produktion tiefstes Sinken der Preise. Mit dem Sinkender Preise geht Hand in, Hand ein grosser Yerlust beimVerkaufe der theuer erzeugten Gegenstände, mit diesem auchein Sinken der Löhne und eine nothwendige Verminderungder Fabrikation. Unser industrieller Barometer, die Be-völkerungstabelle Hüttenheims, sinkt wieder und sollte nichtwieder steigen. Die Volkszählung 1880 zeigt einen Abzugvon 77 Personen.
Die Verhältnisse wurden immer schlechter und eskonnte nichts besseres geschehen, als dass die Fabrik einesschönen Tages in Flammen aufging; ein Umstand der manchenLeuten wie ein Wunder erschien.
Die Aktiengesellschaft der „Filature et Tissage du Bas-Rhin“ wurde in Folge dessen in Konkurs erklärt. DieGläubiger erhielten 75°/o und die Aktionäre hatten dasNachsehen.
Nach dem Brande wurden viele Arbeiter brodlos, undallein in den zwei Jahren 1881—1882 zogen 313 Leute vonHüttenheim weg.
Der Frankfurter Bankier Erlanger ward nun alleinigerEigenthümer der neuerbauten Anstalt, welche sich jetzt invollem Gange befindet, aber in bedeutend verkleinertemMaassstabe.
Sie beschäftigt in Allem 798 versicherungspflichtige Ar-beiter; aber der Verdienst der Baumwollarbeiter ist ge-sunken — während doch z. B. die Arbeiter in der Woll-