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Die bäuerlichen Verhältnisse im Elsass : durch Schilderung dreier Dörfer / erläutert von A. Hertzog
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IV. ABSCHNITT.

lieh triesch liegend, zur Weide genutzt wurden, sind jetzt invollem Umfang zu einer ertragslosen Bewirtliscliaftung heran-gezogen und doch nicht gross genug, um die Einwohner-schaft allein genügend zu ernähren. Scheunen, Ställe undmenschliche Wohnungen, Alles unter einem Dache, abernicht nebeneinander in wirthschaftlicher Weise geordnet,sondern auf einander gesetzt, weil der Grundraum fehlt.Werkstätten und Keller wurden zum Stalle, der Bodenraumim dritten uud vierten Stock dient als Scheune und Heu-boden. Einzeln, an Seilen, werden die Garben und Heu-bunde hinaufgewunden. Ein Hofraum ist in vielen Fällennicht vorhanden; der Dünger wird in stockwerkhohen Haufenvor die Thüre und unter die Dachtraufe gepackt; auch dieGärten liegen selten an den Häusern, sondern draussen vorder Stadtmauer.

Diese Beschreibung passt so treffend auch für das Eisass,dass ich mich in der That gewisser Landstädte erinnere, woich genau dasselbe gesehen.

Die Verkoppelung ganzer Gemarkungen hat seit 1867 inKurhessen eine rasche Verbreitung gefunden; aber auch hierfinden wir wieder den grössten Widerstand gegen dieseMassregel in den Gegenden der Gütertheilung und in Kreisen,in welchen die Zersplitterung mit einer dürftigen wirtschaft-lichen Lage des Grundbesitzes zusammenfällt.

In den bayerischen Bezirken Hittelfranken, Oberfrankeuund Unterfranken ist die Besitz-Theilung sehr stark und dieBevölkerung am dichtesten. In diesen beiden Momentenliegt die HothWendigkeit eines regeren industriellen Lebens,wie es sich besonders in Oberfranken auch in der Form derHausindustrie vorfindet (im Voigtland, Hof, Münchberg , auchim Wunsiedler Bezirk).

In Unterfranken ist die Zersplitterung am stärksten; hierüberwiegt aber der Anbau der Reben und Ilandelspflanzen.

Diese Umstände bringen hier ganz ähnliche Verhältnissehervor, wie sie im Eisass existiren. Mit Baden und derPfalz ist dieser Theil Bayerns dasjenige Land, welches, wiedas Eisass, am meisten der Handelspflanzenkultur ergebenist. Diese Handelspflanzen haben aber den Nachtheil, dass