Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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Die Ordnung der Gefühle. Die Bedürfnisse.

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schastlichen Einrichtungen reichen die Mittel dar, die historisch, ethnographisch undindividuell verschieden gearteten Gcfühlsreize immer wieder abzustumpfen. Als Bedürfnisbezeichnen wir jede mit einer gewissen Regelmäßigkeit und Dringlichkeit auftretendegewohnheitsmäßige, aus unserem Seelen- und Körperleben entspringende Notwendigkeit,durch irgend eine Berührung mit der Außenwelt unsere Unlust zu bannen, unsere Lustzu mehren. Die materiellen oder ideellen Objekte, die wir benutzen, ge- oder verbrauchen,die Verhältnisse, die ein bestimmtes Verhalten oder Thun ermöglichen, nennen wirebenfalls Bedürfnis. Der Wein, der Mittagsschlas, das Rauchen, der Opernbesuch sindmir oder anderen Bedürfnis, heißt so viel, wie ich bedarf ihrer, um einem Unbehagenauszuweichen. Der ganze Umkreis menschlicher Gefühle, der niedrigen wie der höheren,erzeugt so Bedürfnisse. Der Mensch hat sinnliche, ästhetische, intellektuelle, moralischeBedürfnisse. Aber mit Vorliebe gebraucht unsere Sprache das Wort sür die Notwendig-keit, durch den wirtschastlichen Apparat von Gütern und Diensten den niedrigen wie denhöheren Gefühlen die gewohnte Funktion zu verschaffen. Die Bedürfnisbcsriedigung, hatman darum gesagt, ist das Ziel aller Wirtschast; die Bedürfnisse hat man als denAusgangspunkt alles wirtschaftlichen Handelns und aller wirtschastlichen Produktionhingestellt, was ganz richtig ist, wenn man das Wort Bedürfnis in diesem engerenSinne nimmt. Denn im weiteren Sinne ist Bedürfnisbefriedigung der Zweck allesmenschlichen Handelns, nicht bloß des wirtschaftlichen, denn zu allem Handeln gebenLust- und Unlustgesühle und die Erinnerung an sie den Anstoß.

Man hat in der bisherigen Nationalökonomie die Bedürfnisse in leibliche undgeistige, in Natur-, Anstands- und Lurusbedürsnisse, in Existenz- und Kulturbedürfnisse,in individuelle und Gemein- oder Kollektivbedürfnisse eingeteilt. Man hat ihre Erörte-rung in der Regel an die Spitze aller theoretischen Betrachtung gestellt, ost auch beider Erörterung der Nachfrage, der Haushaltungsbudgets, der Konsumtion, der socialenFragen das Wesentliche über sie gesagt.

Es will mir scheinen, daß mit der bloßen Einteilung der Bedürfnisse in einigeKategorien nicht viel gewonnen gewesen sei; die Scheidung von individuellen undGemcinbedürfnissen, wie sie Sax uud A. Wagner vornahmen, hatte den theoretischenZweck, gleichsam ein Fundament der wirtschaftlichen Gemeinde- und Staatsthätigkeit zuschaffen. Aber es ist sür sie doch wenig gewonnen und bewiesen, wenn man der Armeeoder dem Eiscnbahnbau die Etikette des Gemeinbcdürfnisses aufklebt; es handelt sichdoch um den Nachweis, daß die Tausende und Millionen das Bedürfnis des militärischenSchutzes und des Verkehrs erst individuell sühlen, daß dann hieraus eine Kollcktivströmungerwachse, und die rechten Staatsorgane hiefür vorhanden seien, welche die Sache in die Handnehmen, die Widerstrebenden überzeugen oder zwingen, daß so große historisch-politischeProzesse gewisse wirtschaftliche Funktionen in die Hand öffentlicher Organe legen. Am meistenscheint mir die Lehre von den Bedürfnissen durch die historische Untersuchung des Luxus,wie sie Röscher und Baudrillart anstellen, und ähnliche kulturgeschichtliche Untersuchungengefördert worden zu sein, während die Versuche von Bentham , Jcvons und anderen,von mathematisch--mechanischem Standpunkte aus die Lust- und Schmerzgefühle einerMessung zu unterwerfen, die Bedürfnisse zu begründen auf ein Rcchenexempel des Maxi-mums an Lust und des Minimums an Unlust, uns Wohl in einzelnen Punkten, so weitsie aus empirisch-historischer Grundlage, auf Beobachtung des praktischen Seelenlebensberuhen, gefördert, aber doch überwiegend zu Gemeinplätzen geführt haben. Nur sürdie Wertlehre haben sich die Unterscheidungen von Jevons und der österreichischen Schuleteilweise als fruchtbar erwiesen, weil es sich nicht sowohl um die Bemessung der Gefühleund Bedürfnisse, als um die Bemessung der Brauchbarkeit der Güter nach verschiedenenGesichtspunkten hin in diesen Untersuchungen handelte. Wir kommen bei der Wertlehreund der Nachfrage darauf zurück.

Da wir auch auf andere specielle Ergebnisse der Bedürsnisentwickelung besser imZusammenhang der einzelnen volkswirtschaftlichen Fragen eingehen, so handelt es sichhier nur um ein allgemeines Wort der Erklärung der Bedürfnisse; wir müssen ver-suchen, sie als psychologische, individuelle und Masscncrscheinung, als wirtschaftliche