Der Selvsterhaltungs-, Geschlechts- und Thätigkcitstricb,
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lischen Seite nichts ist als die unwillkürliche lautliche Entladung gewisser Nerven- undMuskelkräfte. Der Thätigkeitstrieb nötigt uns aber nicht bloß Muskeln und Nervenzu beschäftigen, unter dem Einfluß ordnender, mit dem Zweckleben sich ergebender Vor-stellungen und Lustgefühle will er sie sachgemäß beschäftigen, er will die Kräfte üben,die Grenzen der eigenen Macht erproben; er geht so dem erwachenden Selbstgefühlparallel; ursprünglich ein Ergebnis rein animalischen Daseins nimmt er alle höherenmenschlichen Zwecke, sofern wir unsere Kraft an ihnen versuchen, in sich auf; die ihmeigentümlichen Lust- und Schmerzgefühle verbinden sich auf jeder Kulturstufe mit Gefühlenhöherer Ordnung.
Äußert er sich beim Kannibalen nur in der Befriedigung, einen Feind getötet oderfkalpiert zu haben, beim rohen Jäger in der Spannung und dem Genuß, welchen dieErlegung des Elchs und des Hirsches gewähren, so werden die Ziele desselben beimKulturmenschen unendlich mannigfaltige, die Lust aber bleibt immer dieselbe. Es istdie Freude, die eigene Kraft richtig eingesetzt und verwertet zu haben. Wir beobachtenden Trieb schon beim Kinde, das mit Bauklötzchen ein Hans baut, das sägen und leimen,Pappen und maleu will, das in tausenderlei Formen die kleine Welt der Hauswirtschaftwie die große der Technik in seinen Spielereien nachahmt und entzückt in die Händchenschlägt, Wenn ihm die kleinen Kraft- und Kunstprobcn gelungen sind. Und was derJugend das Spiel, ist dem Alter die Wirklichkeit. Den Schmied, welchem der rechteSchlag mit dem Hammer gelungen ist, die Köchin, welche den duftenden Sonntagsbratcnanrichtet, den Maler, welcher vor dem fertigen Bilde den Pinsel weglegt, den Maschinen-fabrikanten, der die tausendste Lokomotive auf die Ausstellung schickt, durchglüht dasselbeJnncrvationsgefühl gelungener eigener Thätigkeit wie den hungernden Prediger, welchermit dem Bewußtsein von der Kanzel steigt, wieder einmal als Wecker der Gewissen dieHerzen und Nieren seiner Gemeindeglieder erschüttert zu haben. Es giebt keine größereFreude sür den Menschen als die Lust thätigen Schaffens und Wirkens, und sie istbis auf einen gewissen Grad unabhängig von dem ökonomischen Ersolg, der Bezahlungdes Produktes, dem Lohn oder Gehalt. Millionen von Menschen arbeiten in der Familieund in Staat und Kirche ohne direkte Bezahlung, bei anderen Millionen ist Belohnungund Arbeit nicht in so nähe Beziehung und oft nicht so in Proportion gebracht, daßdie Belohnung das allein ausschlaggebende Motiv wäre. Aber sie arbeiten um desErfolges willen. Ihr Vorstellungsvermögen und ihre Nervenerrcgung läßt ihnen keineRuhe, es treibt sie unwiderstehlich zur Thätigkeit; die wesentlichsten wirtschaftlichenTugenden, die Ausdauer, der Mut des kühnen Unternehmers, die frische Erfindungsgabedes Zeichners und Modelleurs entspringen hier. Der reiche Mann will noch mehrgewinnen, nicht so sehr weil ihn der Mehrbesitz als weil ihn das Kraftgefühl der Erwerbs-fähigkeit erfreut. In diesem Thätigkeitstrieb hat der sittliche Segen der Arbeit seinenatürliche Wurzel. Die Thätigkeit, welche sich ganz in den Gegenstand versenkt, darüberdas eigene Ich und seine Kümmernisse vergißt, ist das einzige, was auf die Dauer sürdie Mehrzähl der Menschen jenes harmonische Gleichgewicht zwischen Lust- und Unlust-gefühlen herstellt, das wir als dauernde Zufriedenheit bezeichnen.
Aus diesem Trieb entspringt nebenbei auch das Selbstgefühl und Selbstbewußt-sein; freilich nicht aus ihm allein; es ist ein kompliziertes Ergebnis individuellerund gesellschaftlicher Vorgänge; die Anerkennung in der Gesellschaft stärkt es, wie dasBewußtsein des Besitzes, das die Furcht, von der Gnade anderer leben zu müssen, ver-bannt. Vor allem aber erzeugt das Bewußtsein, auf bestimmtem Gebiet etwas Vollendetesleisten zu können, die bestimmte Sicherheit des Auftretens, die zu unserem inneren Glückebenso notwendig ist wie zu jedem äußeren Erfolg. Und-das Kolorit des Selbstgefühlsentsteht durch die bestimmte Art der Arbeit. Der Maschinenarbeiter schlägt mit Leiden-schaft auf den Tisch, der Schneider streichelt sanft den Freund über Achsel und Arm,zugleich den Stoff befühlend; der Soldat erinnert an die Feldzüge, die er mitgemacht,der Kaufmann erzählt von den Spekulationen, die ihm gelungen.
16. Der Anerkennungs- und der Rivalitätstrieb. Gehen wir nachdiesen elementaren Trieben, die in ihrer Wurzel alle an bestimmte physische Lustgefühle