Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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Der Auerkcmiungs- und der Nivalitätstrieb.

seits in den Kreisen derer, die mit ihnen ein gleiches Gewerbe treiben, vielleicht als dieGeriebensten geachtet und darum stolz aus diesen Ruf. Er ersetzt ihnen, was sie anAnerkennung im übrigen entbehren.

Die beständige Rücksicht, sagt Lotze, auf das, was andere, sür uns die Vertreterdes Allgemeinen gegenüber unserer Individualität, von uns denken werden, vertrittsowohl in den ersten historischen Zeiten der Menschheit als in den Anfängen der persön-lichen Entwickelung, endlich aus jenen niedrigen Bildungsstufen, auf denen ein Teilunseres Geschlechts beständig verharrt, mit mehr oder weniger Glück und Vollständigkeitdas eigene moralische Gewissen. Lazarus nennt dieses sich Fühlen in einem größerenGanzen eine Erweiterung des Selbstgefühls. Und unzweifelhaft vertritt für alle wenigerentwickelten Individuen dieses Teilhaben an dem Selbst- und Ehrgefühl eines gesell-schaftlichen Kreises das Selbstgefühl.

In feinem älteren Werke führt Ad. Smith sogar in übertreibender Weise allesStreben nach Reichtum auf die Anerkennung durch andere zurück. Dieses Streben erscheintihm nach den idealistischen Rousseauschen Empfindungen seiner Zeit überhaupt ziemlichthöricht. Der Tagelöhner ist ihm so glücklich wie der Millionär; die Bedürfnisse derNatur könne auch der erstere befriedigen. Was also, sagt er, treibt uns darüber hinaus'?Wir wollen, antwortet er, bemerkt, mit Sympathie, mit Beifall umfangen werden. DerArme fchämt sich seiner Armut; der Besitz wird nur erstrebt, um bemerkt zu werden.Smith berührt hier denselben Gedanken, den neuerdings die Kulturhistoriker ganz richtigbetont haben, welche alle Kleidung aus dem Schmuck und allen Schmuck aus der Absichthergeleitet haben, sich durch die Abzeichen, Federn, Farben, durch die Tätowierung,durch die Gürtel und Ringe auszuzeichnen, von anderen sofort erkannt und als höherGestellte, als Mitglieder einer Sippe, eines Stammes sich anerkannt zu sehen.

Wir sind damit gewissermaßen schon zu einem anderen menschlichen Triebe oderzu einer Abart des Anerkennungstriebcs gekommen, zu dem Trieb der Rivalität.Beruht auf dem Anerkennungstrieb der Bestand und die Gruppierung der gesellschaft-lichen Kreise, so beruht aus dem Rivalitätstrieb die Bewegung der Gesellschaft.

Es ist gewiß das Ursprünglichere, daß der Mensch als Gleicher unter Gleichen,als Glied eines'Ganzen, einer Sippe, eines Stammes, eines Standes, einer Körperschaftsich fühlen will; alle ursprüngliche Gesellschastsverbindung und noch heute alle einfacherengesellschaftlichen Beziehungen beruhen darauf. Die feinere Geselligkeit lebt heute nochvon der Fiktion, die sich in einem Salon Versammelnden seien gleich und erkennten sichals solche an. Aber alle Ausbildung der Individualität wie alle kompliziertere Gesellschafts-verfassuug hängt mit dem Triebe, der zunächst bei den Stärksten, Begabtesten sich zeigt,zusammen, über diese Anerkennung als Gleicher unter Gleichen hinauszukommen.

Indem der Mensch seine Gefühle und Vorstellungen zum Selbstgesühl zusammcn-saßt, fein eigenes Ich der übrigen Welt, den Gliedern feiner Familie, seinen Genossenentgegensetzt, entsteht notwendig in ihm die Neigung, diesen Schnitt zwischen sich undden übrigen zu benutzen zu einer Erhebung über sie. Es entstehen die selbstischen Ge-fühle, die Eigenliebe, die Schadenfreude, der Hochmut, das Bessersein- und Bcsscrwissen-wollen. Der Knabe sreut sich der stärkste, der Jüngling der tapferste zu sein. Dieprimitivsten Anfänge einer komplizierteren Gesellschaftsverfassung schaffen Häuptlings-,Führer-, Richter-, Priestcrstcllen, auf Grund deren sich einzelne über die anderen erheben;die geschlechtlichen Beziehungen bringen eine Auswahl der schönsten Weiber für dieangesehenen Männer; die wachsende Habe, der Herdenbesitz, später das Grundeigentumschaffen Abstufungen in der socialen und wirtschaftlichen Lage, die mit den Abstufungender socialen Ehre erst parallel gehen, später auch getrennt von ihnen als Ziel dieKraftvolleren locken. Kurz es entsteht nach und nach der Kampf um höhere Ehre,größeren Besitz, schönere Weiber, das Ringen um höheres gesellschaftliches oder irgendwiespecialisiertes Ansehen. Die Rivalitätskämpfc sowohl der einzelnen als der Gruppender einzelnen spielen bald eine größere, bald eine geringere Rolle; ganz schien sie inkeiner menschlichen Gesellschaft; sie sind das Schwungrad des Fortschritts, erzeugen denKampf ums Dasein in seinen verschiedenen Formen.