Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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32 Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur nnd Methode.

Der Erwerbstrieb in den mit ausgebildetem Eigentum wirtschaftenden Völkernist eine Unterart dieses allgemeinen Rivalitätstriebes. Wir gehen auf ihn nun nochetwas genauer ein.

6. Der Erwerbstrieb nnd die wirtschaftlichen Tugenden.

Nanclevills, li'adle ok tue liess or private viess pudlie denstits. 1713. Lslvstius,De I'ssprit 17S8, äs I'Iwmms, Oeuvres 1792. Lsntbam, ^Vorks 1843. Über Bentham unddie Bcnthamitcu: Held, Sociale Geschichte Englands 1881, S. 246287. Loh, Handbuch derStaatswirtschaftslehre 1. S. 67. 1821. R'au, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. 6. Aufl.HZ 7 u. 11. 18S6. Der f., Bemerkungen über die Volkswirtschaftslehre und ihr Verhältnis zurSittenlchre. Z. f. St.W. 1870.

Schütz, Das sittliche Moment in der Volkswirtschaft. Z. f. St.W. 1844. Knies, PolitischeÖkonomie vom Standpunkt der geschichtlichen Methode. S. 147168. 18S3. 2. Aufl. S. 227-253.1883. Vorländer, Über das sittliche Princip der Volkswirtschaft in Rücksicht auf das socialeProblem. Z. f. St.W. 18S7. Schmoller, Grundfr. S. 60 ff. H. Dietzel, Selbstintercsse. H.W.

Riehl, Die deutsche Arbeit. 1861. G. Jäger . Die menschliche Arbeitskraft. 1878.Cohn, Grundlegung der Nationalökonomie. 188S. Zz 217-232. Bücher, Arbeit und Rhyth-mus. 1896. Smiles, Die Sparsamkeit. 1876. Über die wirtschaftlichen Tugenden ist dieganze ethische Litteratur zu vergleichen.

17. Dogmengeschichtliches. So oft über die Ursachen menschlichen Handelnsernsthafter nachgedacht worden ist, haben sich Denker gefunden, welche alles Handeln,auch die Tugenden der Menschen auf die Selbstliebe zurückführten. Die Sophisten undEpikur gingen voraus; ihnen folgte der englische Sensualismus, Hobbes und Mandeville,der mit brutalerer Offenheit als alle anderen die Ableitung des menschlichen Thunsaus der Selbstliebe in seiner Bienensabel vornahm, endlich die sranzösischen Materialistendes 13. Jahrhunderts, voran Helvetius , der mit seltenem Scharfsinn den Wandlungendes Egoismus im menschlichen Herzen nachgehend, die Lust und Unlust mehr nur inihren niedrigeren Sphären verfolgend, der glänzendste Theoretiker des Egoismus gewordenist und auf die ganze geistige Atmosphäre seiner Zeit einen erheblichen Einfluß geübt hat.Die ganze zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war an sich dem Kultus des Individuumsgewidmet, das die einen als boshaftes, nur durch die Gesetze in Zaum gehaltenes Tier,die anderen als edles herrliches Wesen sich konstruierten, das vom Schutt der Über-lieferung befreit und sich selbst überlassen, nur Gutes vollbringe. Die Beschäftigungmit den wirtschaftlichen Fragen legte eine Betonung der Selbstliebe überdies be-sonders nahe.

Ein so feiner Psychologe und Ethiker, wie Ad. Smith, der im übrigen ein Gegnerdieser materialistischen Theorien war, brauchte nun nur in seinen volkswirtschaftlichenErörterungen von der natürlichen Neigung jedes Menschen, sein eigenes Interesse zuverfolgen, zu sprechen und optimistisch die guten durchschnittlichen Folgen dieser Neigungzu rühmen, und ein Geschlecht von Epigonen, voran die englischen Empiristen unterBenthams Leitung und die etwas steifleinenen unphilosophischen deutschen Kameralistenwie Rau und Lotz kamen nun zu einer allgemeinen Theorie, die dahin lautete, daß derEgoismus, der Eigennutz, das Selbstintercsse, der Erwerbstrieb (diese keineswegs identischen,aber verwandten Begriffe wurden häufig zusammengeworfen) die ausschließliche Grund-lage der Volkswirtschaft sei, daß wenigstens in unserer Wissenschaft nur die Folgendieses Triebes zu untersuchen seien. Bentham zieht aus einer Untersuchung der ver-schiedenen Arten des menschlichen Glückes die Folgerung, daß die Freude am Reichtumeine centrale Stellung einnehme, da er die Mittel für alle anderen Freuden darbiete.Für Senior ist der Satz, daß jeder Mensch ein Mehr von Wohlstand mit so wenigOpfern als möglich erreichen will/ der Eckstein der politischen Ökonomie, die letzteThatsache, über welche nicht zurückgegangen werden könne. Rau erklärt das Verhältnisder Menschen zu den sachlichen Gütern für ein unwandelbares, die Selbstsucht alsfortdauernde Triebkraft ist ihm die Voraussetzung, ohne welche kein einziges volkswirt-schaftliches Gesetz aufgestellt werden könne.