Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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Natürliche und sittliche Kräfte; Jnstitutwucn und Lrgaue.

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Indem der Niedcrschlag aller sittlichen Arbeit vergangener Zeiten durch Gewohn-heit und Erziehung, durch die bestehenden Institutionen von Generation zu Generationüberliefert wird, kommen alle natürlichen Kräfte der Volkswirtschaft nur innerhalb diesesRahmens zur Geltung; bestimmen sie die etwaige Umbildung dieses gesellschaftlichenRahmens mit, wirkt z. B. eine neue Technik auch sicher auf eine neue sociale undsittliche Ordnung der Volkswirtschaft, so wirken ebenso sicher die allgemeinen gefestigtenethischen Gedanken und Ideale der Sittlichkeit auf die Art, wie die neue Technik sichzu Gewohnheiten und Institutionen ausprägt. Jede Generation ruht auf dem geistig-sittlichen Schatze der Vergangenheit. Die Überlieferung diefes Besitzes, wie die Erziehungjeder jungen Generation und ihre Einschulung in die Sitten und Gepflogenheiten derGesellschaft bilden eine der wichtigsten Funktionen der sittlichen Kräfte. Auch die ganzeVolkswirtschaft ist nicht denkbar ohne diesen Erziehungs- und Einübungsprozeß. DieKinder und jungen Leute werden im Interesse ihrer Zukunft und der Gesellschaft durchVorbild, Unterricht, Gewöhnung, Strafe und Belohnung angeleitet, ihre natürlichenTriebe in gesellschaftliche umzuwandeln; sie müssen das ihnen zunächst Unangenehmemit Mühe erlernen, sich ihm durch Wiederholung anpassen; sie müssen gehorchen undarbeiten lernen, an Verträglichkeit, Zucht und Ordnung sich gewöhnen, sie müssen Kennt-nisse und Fertigkeiten erwerben; sie können es, weil die Jugend bildsamer ist als dasAlter, weil jede Handlung Spuren in Geist und Körper zurückläßt, welche die Rückkehrins selbe Geleise erleichtern. Ohne diesen Prozeß gäbe es keinen Fortschritt, auch keinenwirtschaftlichen. Er macht aus dem rohen Spiele natürlicher Kräfte den geordnetenGang sittlich harmonisierter, zu gesellschaftlichem Zusammenwirken brauchbarer Kräfte.

Wir versuchen diese Wahrheit noch weiter zu beleuchten, indem wir einige Worteüber die gesellschaftlichen Institutionen und Organe, über den Kampf ums Dasein,endlich über die Moralsysteme und die sittlichen Leitideen sagen.

31. Die gesellschastlichen Institutionen und Organe treten uns alsdas wichtigste Ergebnis des sittlichen Lebens entgegen. Es sind die Krystallisationendesselben. Aus den oben geschilderten psychischen Massenzusammenhängen, aus Sitte,Recht und Moral, aus den täglich sich ergebenden Berührungen, Anziehungen und Ab-stoßungen, aus den Verträgen und vorübergehenden Jneinanderpassungen ergeben sichdauernde Formen des gesellschaftlichen Lebens, welche den verschiedenen Zwecken derGesellschaft, vielleicht am meisten den wirtschaftlichen dienen.

Wir verstehen unter einer politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen Institutioneine partielle, bestimmten Zwecken dienende, zu einer selbständigen Entwickelung gelangteOrdnung des Gemeinschaftslebens, welche das feste Gesäß sür das Handeln von Gene-rationen, oft von Jahrhunderten und Jahrtausenden abgiebt: das Eigentum, die Sklaverei,die Leibeigcnschast, die Ehe, die Vormundschaft, das Marktwesen, das Münzwesen, dieGewerbesreiheit, das sind Beispiele von Institutionen. Es handelt sich bei jeder In-stitution um eine Summe von Gewohnheiten und Regeln der Moral, der Sitte unddes Rechtes, die einen gemeinsamen Mittelpunkt oder Zweck haben, unter sich zusammen-hängen, ein System bilden, eine gemeinsame praktische und theoretische Ausbildungempfangen haben, festgewurzelt im Gemeinschaftsleben, als typische Form die lebendigenKräfte immer wieder in ihren Bannkreis ziehen. Wir verstehen unter einer Organbildungdie persönliche Seite der Institution; die Ehe ist die Institution, die Familie ist dasOrgan. Die socialen Organe sind die dauernden Formen der Verknüpfung von Personenund Gütern für bestimmte Zwecke: die Gens, die Familie, die Vereine, die Korporationen,die Genossenschaften, die Gemeinden, die Unternehmungen, der Staat, das sind die wesent-lichen Organe des socialen Lebens.

^ Alle ältere Organbildung geht aus der Geschlechts- und Blutsgemeinschaft hervor:der Stamm, die Sippe, die Familie sind Organe, die ursprünglich alle Zwecke umfassen,aus denen durch Scheidung, Ablösung und Differenzierung ein großer Teil auch allerspäteren Organe hervorgehen. Die dauernden gemeinsamen Zwecke schaffen die Organe.Je höher die Kultur steigt, desto mannigfaltiger wird ihre Zahl und ihre Gestaltung,desto häufiger treten neben die gewordenen die gewillkürten Organe; aus tastenden Vcr-