Die Institutionen und Organe; ihre Bcnrteilnna,.
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aus das andere. Ein Volk mit ausgebildetem Vereinsleben überträgt seine Gewohn-heiten vom politischen aus das wirtschastliche Gebiet; ein Militärstaat mit schärfsterCentralisation übernimmt auch aus wirtschaftlichem Gebiete Funktionen, die anderswoder Aktiengesellschaft, dem Vereine, der Kirche anheimfallen.
Es ist das Verdienst Schäffles, die Grundlinien einer allgemeinen Lehre von densocialen Organen gezeichnet zu haben, nachdem die ganze Entwickelung der Wissenschaftenvon Staat und Recht, Gesellschaft und Volkswirtschast seit „den letzten paar Jahr-hunderten erwachsen war unter einem heftigen Schwanken der Über- und Unterschätzungder Institutionen und der Organbildung. Die Ansichten in dieser Beziehung gehensreilich auch heute noch je nach den Partei- und Klasseninteressen, je nach den geschichts-philosophischen Standpunkten auseinander.
Der Merkantilismus und die Kameralistik überschätzten die Möglichkeit, durch Staat,Gesetz und Fürstenwillen alles neu zu ordnen und zu schaffen; selbst Moral und Rechtgalten den ersten Denkern von Hobbes bis auf Friedrich den Großen als Produktestaatlicher Anordnung: die Institutionen galten ihnen deshalb alles, das sreie Spielder Individuen wenig. Die Aufklärung kehrte die Sätze um und die liberale Doktrinhält heute noch an diesem Vorstellungskrcis fest: die individuellen Gefühle und Hand-lungen, das freie Spiel der Verträge, das freie Vercinswesen und der Voluntarismuswerden gegenüber Staat, staatlichen Institutionen, selten und dauernden Organisationengerühmt; man sürchtet auf diesem liberalen Standpunkte, wie ihn z. B. Hartcnstein inseiner Ethik vertritt, daß bei jeder dauernden, festen Ausbildung von Institutionen dieeinseitigen Interessen der Herrschenden zn sehr zu Worte kommen, daß jede Institution,auch die zufällig einmal gelungene, rasch veralte, zum Hindernis sür weitere Fortschrittewerde. Man beruft sich (Sir S. Mainc) darauf, daß die Entwickelung der Gesellschaftvon Statusverhältniffen zu Verträgen führe, d. h. daß in älterer Zeit das Individuumallseitig durch sestc Institutionen gebunden, später durch ein System freier Verträge seineBeziehungen zu anderen ordne.
Der ältere Socialismus ist dann wieder zur Überschätzung der Institutionen undabsichtlicher Organbildung zurückgekehrt; er glaubt durch äußerliche Anordnung desgesellschaftlichen Lebens sogar die inneren Motive alles menschlichen Handelns ändernzu können. Die Hegelsche Philosophie, die im Staate die höchste Sittlichkeit sucht, undandere konservative Strömungen haben, wie die neueste europäische Staatspraxis, teilsalte Institutionen, wie die Zünste, wieder günstiger angesehen und behandelt, teilsenergisch sür die Neubildung von Institutionen und Organen gekämpst. Die neuestesocialdemokratische Lehre verwirft ja den bestehenden Staat mit allen seinen Institutionen,träumt entsprechend ihrem radikal-individualistischen Ursprung von einem sreien Spielealler individuellen Kräfte; aber sie kommt mit dem ungeheuren Sprung, den auch siefür das pfychisch-sittliche Leben erwartet, doch zur Vorstellung einer absorbierenden Herr-schast öffentlicher Institutionen über alle private Willkür.
Der Streit ist im ganzen derselbe, wie der im letzten Abschnitte erörterte über denFortschritt von individueller Freiheit und positivem Rechte. Die liberalen Individualistenverwechselten die Abschaffung veralteter Institutionen mit der Beseitigung aller dauerndenEinrichtungen. Sie überschätzten die Gesahr der Erstarrung in alten Institutionen sürunsere Zeit. Die öffentliche Diskussion, der Kamps der Parteien und Parlamente, diegesetzgeberische Materialsammlung und Vorbereitung der Gesetze in den Ministerien gebenheute wenigstens eine gewisse Garantie für eine flüssige und gute Neubildung. Und sowahr es ist, daß neuerdings vielfach der Vertrag an Stelle von Institutionen getretenist, neue Organbildungen und sociale Einrichtungen sehen wir doch in Masse danebenentstehen. Und wir freuen uns, wenn sie der Entwickelung seste, sichere Bahnen weisen.Es ist klar, daß die Institutionen, wenn sie segensreich wirken sollen, eine gewisseStarrheit und Festigkeit haben müssen. Ihr Zweck ist ja, dem Guten, dem Lebens-förderlichen, Zweckmäßigen die feste Form zu geben, die allein die Anwendung erleichtert,die Erfahrungen der Vergangenheit firiert, die Millionen abhält, die alten Mißgriffezu machen, sich ewig von neuem um dasselbe Ziel abzumühen. Offenbar liegt der